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Multiple Orgasmen für die Leserseele. Wie schreibst du einen unvergesslichen Akt?

 

Jede überraschende Wendung ist wie ein Orgasmus für den Leser.

 

Der Akt an sich dauert. Höhepunkte treten punktuell und heftig auf. Aber kannst du dich an jeden einzelnen Geschlechtsakt erinnern?

 

Genauso ist es mit Wendungen. Jede Geschichte hat mehrere von ihnen und das ist auch gut so. Doch mit der Zeit verblassen sie. Es braucht etwas krasseres.

 

Entfache ein Feuerwerk an multiplen Twists und mache deine Geschichte für den Leser zu einem unvergesslichen Erlebnis.

 

So wie Autorin Kris C. Macaw.

 

Leser sind wie Wanderer

 

Erklimmen ein Gipfelsteiger und ein Coachpotato einen Berg. Der Höhepunkt ist bereits zu sehen.

 

Traurig blickt der Gipfelsteiger drein, wo hingegen der Coachpotato sich auf die Bank am Aussichtspunkt freut. Doch dann erreichen sie den Punkt.

 

Alles nur eine optische Täuschung.

 

Die Laune des Gipfelsteigers heitert sich und der Coachpotato könnte sich im Dreck wälzen und heulen.

 

Hinter dem vermeintlichen Höhepunkt erwartet sie ein noch viel imponierender.

 

Was hat das mit dem Erzählen von Geschichten zu tun?

 

Ein Buch zu lesen ist wie eine Bergtour.

 

Lange und mühselig geht es hinauf, der Ausblick auf dem Gipfel ist die atemberaubende Belohnung und dann geht es fix wieder hinunter.

 

Warum genau diese Abfolge der Höhenmeter die Spannungskurve deines Romans habe sollte erfährst du hier: Du willst als Autor in Vergessenheit geraten? Dann fahr die Spannungsachterbahn

 

Warum erzähle ich dir das Ganze?

 

Die Polarität einer spannenden Szene

 

Die allbekannte Achterbahn der Gefühle sorgt für Spannung. Doch wie erbaut man sie?

 

Ganz einfach: auf und ab, Plus und Minus.

 

Dieses hin und her von positiven und negativen Zuständen ist Robert McKee so wichtig, dass er dem in seinem Buch »Story« ganze Kapitel widmet.

 

Geht es einer Figur in Szene A gut und in Szene B noch besser, dann langweilt sich der Leser.

 

Wechselt sich die Stimmung allerdings, fängt es an interessant zu werden. Sieh dir die Wanderer von oben mit diesem Wissen an.

 

Der Gipfelsteiger freut sich auf den langen Marsch (+), aber der Gipfel ist bereits in Sicht (-). Doch hinter dem Höhepunkt erstreckt sich ein weiterer (+).

 

Beim Coachpotato ist es genau umgekehrt. Er hat keinen Bock (-). Das Ziel kommt in Blickweite (+), doch das war nur eine optische Täuschung (-).

 

Aber dieser doppelte Wechsel der Polarität ist noch kein multipler Wendepunkt.

 

Denn:

 

+ --> - (Ausgangssituation) --> + (1. Wendung) --> - (2. Wendung)

 

Es braucht mehrfache Wechsel und genau das macht Kris C. Macaw in ihren Romanen.

 

Du weißt nicht wer sie ist? Dann hol es nach: Ich kenne da Jemanden, der auch dein Leben bereichern wird: Kris C. Macaw

 

Immer wieder ertappe ich mich beim lesen ihrer Bücher dabei, dass ich in dem Moment überrumpelt werde, wenn ich ohnehin schon einen Wendepunkt erwartet hatte. Sie legt immer einen oben drauf.

 

Wie macht sie das?

 

Der lauernde Höhepunkt hinter dem Höhepunkt

 

Natürlich kann ich jetzt nicht Kris C. Macaws Romane spoilern. Sehen wir uns ihr vorgehen in einem ausgedachten Beispiel an:

 

Ein Ermittler sucht nach dem Mörder einer getöteten Frau. Ihr Ehemann ist einer der Verdächtigen.

 

Im Laufe er Untersuchungen ruft die Schwester der Getöteten den Ermittler an. Der Ermittler hatte darauf gedrängt, dass er angerufen wird, sobald es neue Erkenntnisse gibt. Sie ist ganz aufgelöst. Panisch erzählt sie ihm, sie habe sich vor dem Ehemann verstecken müssen, weil er sie umbringen will. Genau wie seine Frau. Hintergrund ist das Erbe. Denn er hätte wohl erfahren, dass es der Schwester und nicht dem Mann vermacht werden soll.

 

Der Ermittler will sofort los und sie retten. Sie erklärt, sie verstecke sich im Panikraum bei dem Mörder zu Hause. Schließlich wusste sie nicht, wer er wirklich war.

 

Mit Blaulicht saust der Ermittler zum Anwesen und dringt mit erhobener Waffe ein.

 

Das Haus ist vollkommen verwüstet, aber vom Ehemann keine Spur.

 

Es dauert nicht lange und der Ermittler findet den Panikraum.

 

Die Schwester der Verstorbenen traut sich hinaus und fällt dem Ermittler um den Hals. Sie drängt zur Eile. Der Ehemann habe eine Waffe und sei äußert Gewaltbereit.

 

Sie schleichen sich davon, da steht plötzlich der Ehemann hinter ihnen.

 

Der Ermittler fährt herum und sieht die erhobene Pistole. Noch ehe er »Polizei« rufen kann, drückt er vor Schreck ab.

 

Der Verdächtige stirbt, die Schwester ist gerettet. Tränen der Erleichterung kullern über ihre Wangen und sie liegen sich lange im Arm.

 

Im Anschluss hat der Ermittler ein Verfahren wegen Mord und Polizeigewalt am Hals.

 

Vor Gericht ist die Schwester gezwungen die Wahrheit zu sagen und gibt zu, dass der Ermittler sich vor dem Schuss nicht als Polizist ausgewiesen hat.

 

Der Ermittler wird verurteilt.

 

Wochen später.

 

Ein Kollege stürmt in das Gefängnis des Ermittlers. Es gäbe aktuell einen Einsatz bei dem er helfen könne. Schnell wird ihm der Fall erklärt.

 

Untersuchungen haben ergeben, dass die Schwester die Frau durch einen Auftragskiller hat ermorden lassen und das Testament zu ihren Gunsten ändern wollte. Doch der Witwer bekam Wind davon und die Schwester drohte ihn ebenfalls zu töten. Da beschaffte er sich eine Pistole zur Selbstverteidigung.

 

Als die Schwester einbrach, um das Testament aus dem Tresor zu holen, überraschte sie der Ehemann. Vor Angst traute er sich nicht zur Arbeit zu fahren und außer Haus zu gehen.

 

Nun war sie mit dem Geld auf dem Weg ins Ausland und der Ermittler wurde freigelassen.

 

Wochen später.

 

In Tunesien trifft der Ermittler auf die Schwester. Auf den Urlaubsfotos hatte er den Ort identifiziert und sich gedacht, sie hier anzutreffen.

 

Er erklärt ihr, dass er der Auftragskiller ist, den sie für die Ermordung ihrer Schwester engagiert hatte.

 

Nun hätte sie die Wahl. Entweder sie überließ ihm das Millionenschwere Erbe oder er verhaftet sie.

 

Dröseln wir das Ganze noch einmal aus Sicht des Ermittlers auf:

 

1. Schwester schwebt in Lebensgefahr (-)

2. Ermittler rettet sie (+)

3. Der Ehemann gilt als Verdächtiger und taucht plötzlich auf. Er richtet eine Pistole auf den Ermittler (-)

4. Der Ermittler ist schneller und erschießt den Ehemann. Schwester ist gerettet (+)

5. Dem Ermittler wird Mord vorgeworfen und muss ins Gefängnis (-)

6. Wochen später erfährt er die Wahrheit (+)

7. Aber die Schwester ist bereits mit dem Geld auf und davon (-)

8. Ermittler findet Schwester in Tunesien, aufgrund der Urlaubsfotos. Allerdings ist der Ermittler der Auftragskiller der Schwester. Entweder sie gibt ihm das Geld oder er verhaftet sie und wird als Held gefeiert (+)

 

Entscheidend ist der stete Wechsel.

 

An der Stelle, an der zweimal dieselbe Polarität auftaucht, brechen Leser weg. Das ist eine allgemeine Regel, aber worauf ich hinaus will, sind die darin enthaltenen großen Wendepunkte.

 

Erste große Wendung: Die Schwester hat alle verarscht. Der Ermittler landete zu Unrecht im Gefängnis und der Ehemann starb unschuldig.

 

Zweite große Wendung: Der Ermittler ist der Auftragskiller und bereichert sich nun bei der Schwester.

 

Das besondere hieran, und das lehrte mich Kris C. Macaw mit ihren Geschichten, ist der Zeitliche Abstand der Twists in Zusammenspiel mit der Polarität.

 

Wer sich mit Geschichten auskennt, kann erahnen an welcher Stelle eine Wendung eintrifft. Womit der Leser aber nicht rechnet:

 

Wenn gleich danach eine zweite Wendung die erste vollkommen zerschlägt.

 

Zuerst muss der Ermittler wegen der Schwester ins Gefängnis (-) und dann bereicherte er sich an ihr (+).

 

Um so mehr Emotionen mit im Spiel sind, umso besser.

 

Drama Baby, Drama

 

In dem Beispiel sieht der Leser den Ermittler als Helden und leidet mit ihm, als er ins Gefängnis kommt. Bedauerlicherweise unter anderem wegen der Zeugenaussage der Schwester. Auch wenn es der anscheinenden Wahrheit entspricht.

 

Das macht die Schwester für den Leser einen Hauch unsympathischer. Was wichtig ist, damit er sie beim ersten Twist so richtig hassen kann.

 

Dann kommt die große Enthüllung. Der Ermittler ist der Auftragskiller und nimmt nun Rache an der Schwester. Aufgrund der Vorgeschichte kann der Leser der Schwester nur schwer verzeihen und dem Ermittler sein Verbrecherdasein kaum verübeln.

 

Im Zweifel steht der Leser auf der Seite des Ermittlers, obwohl er ein Mörder und korrupter Polizist ist.

 

Und nun der Höhepunkt für deine Geschichte

 

Ohne überraschende Wendungen kommt kein gutes Buch aus. Genauso wie Sex ohne Orgasmus unbefriedigend ist.

 

Aber es gibt etwas, womit die wenigsten rechnen, wenn sie sich ausziehen. Multiple Orgasmen.

 

Willst du dich auf ewig in das Herz deiner Leser einbrennen und nicht in der Masse an One-Night-Stands untergehen?

 

Dann liefere ihm Wendungen, die ihm wie eine Bowlingkugel entgegenfliegen. Hat er sie gefangen und fühlt sich sicher, lass keine Zeit verstreichen und schmettere eine Abrissbirne durch sein Lesezimmer.

 

 

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Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

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