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Marcus Johanus im Interview. Warum wollen Leser Mord und Totschlag?

 

Krimis und Thriller verkaufen sich wie Särge.

 

Kaum ein Leser kommt an ihnen vorbei.

 

Im Privaten predigen wir Frieden, doch sobald wir ein Buch aufschlagen, erwarten wir Morde, die grässlicher als unsere schlimmsten Albträume sind.

 

Warum?

 

Thriller-Autor Marcus Johanus gibt Antworten.

 

Du hast jüngst einen neuen Roman veröffentlicht. Wie heißt er und worum geht es?

Der Roman heißt »Zum zweiten Mal tot«. Ein Psychothriller, in dem die junge Kriminalpsychologin Lisa Kreuzer bei einem Autounfall ums Leben kommt. Sie kann allerdings nach wenigen Minuten, die sie im Jenseits verbracht hat, wiederbelebt werden. Doch es gelingt ihr nicht, in ihr altes Leben zurückzufinden. Denn sie wird von SMS von einem Fremden terrorisiert, der behauptet, aus dem Jenseits zu sein. Und er will ihren Tod.

 

In fast allen deiner Bücher kommt das Wort „Tod“ im Titel vor. Ist das ein Thema, welches dich sehr beschäftigt oder ist es ein Lesermagnet. Oder beides?

Die kurze Antwort:

Beides.

 

Die lange Antwort:

Mein erster Roman hieß »Brainteaser«. Aber der Titel gefiel dem Verlag nicht und fragte, ob mir nicht ein neuer einfällt, der mehr nach Thriller klingt. Daraufhin habe ich »Tödliche Gedanken« vorgeschlagen. Die Fortsetzung musste dann irgendwie so ähnlich heißen, also wählten wir »Tödliche Wahrheit«. Und von da an war das irgendwie auch mein Markenzeichen.

 

Aber es ist wohl kein Zufall. Das Thema Tod und vor allem, ob und was danach kommt, begleitet mich schon immer.

 

Es gibt Autoren, die über den Tod schreiben, um ihre eigene Sterblichkeit zu verarbeiten. Wie ist es bei dir?

Bestimmt auch. Bei mir ist die Sache vielleicht aber noch etwas anders. Kurz vor meiner Geburt starb mein Bruder. Das war für mich als Kind eine seltsame Situation, denn irgendwie war da immer noch ein Familienmitglied. In den Erzählungen. Auf Fotos und Filmen. Aber ich hatte ja nur Fantasien von ihm. Irgendwie war er für mich vielleicht nicht lebendig, aber doch immer anwesend. Das hat mich halt geprägt.

 

Viele Menschen glauben an ein Leben nach dem Tod. Warum gibt es so viele Geschichten über das Sterben, aber so wenige über das was danach kommt?

Ist das so? Mir ist nicht bewusst, dass es so viele Geschichten über das Sterben gibt. Aber das Thema Tod ist halt einfach auch etwas, das in Romanen einfach verarbeitet werden muss, weil es einerseits ein Tabuthema ist und andererseits aber jeden Menschen beschäftigt. Ich habe für mich die These, dass eigentlich jede Geschichte mehr oder weniger vom Tod handelt. Aber ob es so viele Geschichten speziell über Sterben gibt … Das wüsste ich nicht. Und wieso es relativ wenig Geschichten über das Jenseits gibt … Nun ja, das ist bestimmt eine Frage der Perspektive. Wenn ich an Vampir- und Zombie-Geschichten denke, dann sind das ja beispielsweise Geschichten, die von dem handeln, was nach dem Sterben kommt. ;-)

Was fasziniert dich so sehr an Fantasy, dass du es selbst aus mehrerer deiner Thriller nicht heraushalten konntest?

Ich sehe meine Young-Adult-Bücher »Tödliche Gedanken«, »Tödliche Wahrheit« und »Lelana« nicht als Fantasy, sondern als Science Fiction. Genau genommen, sind sie Superhelden-Geschichten. Das hat mich einfach gereizt, weil ich Superhelden-Comics gerne mag. Und ich mag Thriller. Da hielt ich es für eine gute Idee, beide Genres miteinander zu verbinden.

 

Wer dich kennt, weiß von deiner Leidenschaft für Rollenspiele. Wie haben deine Rollenspielerfahrungen deine Romane geprägt?

Das ist so rum vielleicht falsch formuliert. Ich wollte schon immer gerne Romane schreiben. Dann entdeckte ich als Jugendlicher Rollenspiele für mich. Tolles Hobby. Aber meine Abenteuer waren zum Leidwesen meiner Spieler immer eher Romane. Irgendwann dachte ich mir dann, dass ich meine Leidenschaft für das Schreiben nicht weiter im falschen Medium ausleben sollte und schrieb dann doch lieber richtige Romane.

 

Aber ich habe beim Leiten von Rollenspielabenteuern viel über Spannung, Dramatik und Timing gelernt. Man weiß ja nie genau, wie Leser auf das, was man geschrieben hat, reagieren. Bei Rollenspielrunden merkt man halt sehr schnell, worauf die Leute anspringen.

 

Krimi, Thriller, Fantasy. Diese Genres, und einige mehr, kommen selten ohne Mord und Totschlag aus. Warum ist das so?

Geschichten leben von Konflikten. Überlebenskämpfe sind per se halt eine spannende Angelegenheit.

 

Trotz friedlichster Epoche strotzen heutige Geschichten vor Krieg, Zerstörung und Mord. Kannst du dir das erklären?

Gerade deswegen. Irgendwie brauchen die Menschen das halt. Und wenn es im Alltag fehlt, muss es fiktiv durchlebt werden. Ich find’s auch besser, einen Krimi zu lesen, als selbst zum Verbrecher zu werden.

 

Oft steht der Mörder stärker im Fokus, als der Ermittler bzw. Protagonist. Warum?

Ist das so? Ich würde mich da nicht so festlegen. Aber der Antagonist ist in gewisser Weise derjenige, der die Geschichte vorantreibt. Es ist sein Plan, seine Tat, die die Geschichte ins Rollen bringt.

 

Je krasser desto besser. Den Eindruck kann man bei den Verkaufszahlen der Bücher gewinnen. Was fasziniert uns so sehr an perfiden Mordpraktiken?

Siehe oben. Aber so ganz kann ich den Trend auch nicht nachvollziehen. Ich bin einer gewissen Prise Gewalt nicht abgeneigt. Wenn diese allerdings im Fokus steht und ich den Eindruck bekomme, dass die Geschichte vor allem dazu dient, Gewaltexzesse zu transportieren, dann ist das nichts mehr für mich.

 

Vielen lieben Dank, Marcus. Und zu guter Letzt. Hast du einen Ratschlag für angehende Autoren, wie sie bei all der grausamen Inszenierung von Mord, respektvoll mit dem Thema Tod umgehen können?

Nein. Wer bin ich, dass ich da Ratschläge erteilen könnte? Die persönlichen Geschmäcker oder auch Schmerzgrenzen sind da weit verteilt. Das, was ich als respektvoll empfinde, finden andere Leute furchtbar. Und womit wiederum andere keine Probleme haben, das ist für mich vollkommen geschmacklos. Es liegt nun einmal im Auge des Betrachters.

 

Und vielen Dank für das Interview. Es hat mir großen Spaß gemacht.

 

Marcus Johanus

Nicht nur bekannt als Thriller-Autor, sondern auch als Blogger und zusammen mit Axel Hollmann als die SchreibDilettanten auf YouTube.

 

Homepage und Blog (Link)

 

Die SchreibDilettanten (Link)

 

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Dein Viktor

 

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