· 

Interview mit Autor und Comiczeichner Robert Rittermann. Was musst du alles bei der Buchgestaltung beachten?

 

Du hast ein Buch geschrieben und jetzt? Fertig?

 

Noch lange nicht.

 

Layout, Buchsatz, Cover, Klappentext, Druck und Marketing. Wer macht das?

 

Der Verlag?

 

Oder bist du eher die Sorte: »Das mache ich selbst!«

 

Aber wie geht das?

 

Robert Rittermann: Romanautor, Comiczeichner, Kinderbuchautor, Selfpublischer und Blogger, verrät es dir.

 

Robert, du bist Comiczeichner und Romanautor. Was war zuerst da und warum kam das Zweite dazu?

Hej Viktor! Eigentlich habe ich schon immer geschrieben. Doch da ich weder ein Ass in Deutsch war, kein Germanistikstudium in der Tasche habe und ich bis vor Kurzem noch dachte, ich sei ungeeignet zum Schreiben, habe ich nur für mich geschrieben. Das waren meist kurze Plots oder einzelne Szenen von Geschichten aus meinem Kopf.

Geeigneter für eine normale Karriere fand ich mein Zeichentalent. Nach meinem Designstudium war klar, dass ich in diesem Bereich arbeiten würde. Doch schon während des Studiums kristallisierte sich heraus, dass ich zeichnete, um die Ideen in meinem Kopf zu realisieren. Der Weg zu einem Comic war also nicht weit. Da ich aber neben Arbeit und Familie echt wenig Zeit habe, konnte ich mir eine Comickarriere abschminken.

In meinem Kopf schwirren aber superviele Geschichten herum und deshalb suchte ich nach einer Möglichkeit, diese so zeitsparend wie möglich umzusetzen. Bevor ich ins Gras beiße, möchte ich zumindest meine coolsten Ideen Wirklichkeit werden lassen. Meine Geschichten einfach aufzuschreiben, war dann der naheliegendste Schritt. Und seitdem schreibe ich. Romanautor zu sein, stand bis dahin zu keiner Zeit auf meiner Berufswunschliste.

 

Was ist der größte Unterschied einer geschriebenen Szene zu einer gezeichneten?

Eine Szene zu schreiben geht schneller. Beim Zeichnen werde ich sehr schnell sehr detailliert, was beim Schreiben seltsamerweise nicht der Fall ist. Vielleicht kommt das noch.

 

Wieso hast du deine Lost Project-Trilogie als Romane und nicht als Comic veröffentlicht?

Ursprünglich hatte ich vor, aus „Lost Project“ eine Comicreihe zu machen. Aber wie gesagt: Eine Szene zu schreiben ist für mich wesentlich schneller, als sie zu zeichnen. Und hätte ich an einer Comicreihe festgehalten, wäre ich mit dem ersten Teil wahrscheinlich immer noch nicht fertig.

Der Entschluss, „Lost Project“ zu schreiben anstatt zu zeichnen, fällt genau mit meiner Entscheidung zusammen, meine Geschichten aufzuschreiben.

Meine ersten Romanprojekte sollten keine 500-Seiten-Klopper werden, sondern geradlinige und einfache Geschichten. „Lost Project“ habe ich also bewusst so konzipiert. Ich wollte mir zu Beginn meiner Schreiberei erst einmal beweisen, dass ich überhaupt einen Roman von Anfang bis Ende schreiben kann.

 

Deine Zeichnungen sind schon gruselig. Was fasziniert dich so an Horror?

Bei dieser Frage muss ich immer schmunzeln. Beim Zeichnen meiner Bilder denke ich nicht darüber nach, dass andere sie möglicherweise gruselig finden könnten.

Am meisten fasziniert mich an all dem düsteren Kram, dass dadurch meine Fantasie ordentlich angeregt wird. Kreativität heißt für mich, dass ich mich auch im Spektrum außerhalb des allgemein akzeptierten Schönen aufhalte, und die ästhetischen Bereiche jenseits dieser Grenze auslote. Ich bin mir bewusst, dass viele Leute das nicht mögen, abstoßend finden oder was auch immer. Ich persönlich spreche da auch lieber von einer dunklen Ästhetik anstatt von Horror. Aber ich limitiere mich da nicht gern. Spaß und Neugierde treiben mich immer wieder aufs Neue dort hin. Andererseits mag ich auch hin und wieder richtigen Schmalz und rosarote Pastellbildchen. Ich muss die halt nur nicht zeichnen; das machen Andere.

Darüber hinaus bin ich immer wieder für Bands tätig, die im Bereich Punk, Hardcore oder Metal unterwegs sind, also allesamt ausgesprochene Feingeister unter den Musikern.

 

Kinderbuch, Abenteuer-Trilogie und Horror-Kurzgeschichte. Wie entstand dieser spannende Genre-Weg?

Mein Kinderbuch „Vincent. Das ungruselige Ungeheuer“ war mein allererster Versuch einen Text zu schreiben. Ich habe ein Kinderbuch gewählt, weil ich schon immer mal eines machen wollte und weil ich dachte, einen Kinderbuchbuchtext zu schreiben wäre kein großes Ding. War es doch, weil Kinder eine ganz andere Ansprache haben als Erwachsene.

Auf meinem Computer habe ich ein Verzeichnis mit all meinen Ideen. Da ist ganz unterschiedliches Zeug drin, aber ich finde, dass variiert gar nicht so stark. Wenn irgendwann mal Einiges davon veröffentlicht ist, wird die Spannweite vermutlich gar nicht mehr so krass wirken. Ich denke, meine Handschrift ist da das verbindende Element.

Mein nächster Roman, nach Abschluss der „Lost Project“-Trilogie wird übrigens ein Verschwörungsthriller werden. Der handelt von zwei kiffenden Ufologen, denen zufällig Hinweise für die Existenz außerirdischen Lebens in die Hände fallen. Das wird schon was anderes, weil die Dinosaurier fehlen. Aber Leser*innen, die „Lost Project“ mögen, werden auch an dieser Geschichte Freude haben, weil sie spannend, actionreich und intelligent ist und der Humor dabei nicht zu kurz kommt.

 

Wie du es selbst bezeichnest, kümmerst du dich eigenständig um den „Verlegerkram“ und bist somit Selfpublisher. Was ist als Autor und Verleger der herausforderndste Part von der ersten Idee bis hin zum kaufbaren Buch?

Erstaunlicherweise ist der „Verlegerkram“ der herausforderndste Teil. Irgendwas ausdenken und was Greifbares daraus machen, fällt mir leicht. Dinge zu verkaufen, so etwas wie eine Zielgruppe im Blick haben, das ist für mich total kryptisches Zeug, mit dem ich mich vor der Veröffentlichung von „Lost Project 1“ noch nie auseinandergesetzt hatte. Ich bin jetzt immer noch ein blutiger Anfänger, aber ich habe so eine Ahnung, was das alles bringen soll. Aktuell versuche ich für mich herauszufinden, wo sich meine Bücher am besten verkaufen. Über meinen Shop gehen immer mal wieder ein paar Bücher weg, aber Messen und Conventions haben sich als erfolgreicher herausgestellt. Da macht mir Corona aber leider geraden einen Strich durch die Rechnung und ich werde die ausbleibenden Taschenbucheinnahmen irgendwie anders auffangen müssen.

Auf der anderen Seite liegt die volle Verantwortung über Erfolg oder Scheitern meiner Bücher in meiner Hand. Da es aber meine eigenen Sachen sind, über deren Erfolg ich entscheide, fühlt es sich für mich nicht nach Stress oder fremdbestimmter Arbeit an.

 

Wie wichtig ist eine kreative Ader für die eigene Buchgestaltung?

Nicht so wichtig, wie man meint. Wichtiger sind ein Wille, gute Recherche und Kenntnisse im Umgang mit einem Grafikprogramm. Wenn diese Dinge vorhanden sind, kann man meiner Meinung nach seine Schlüsse ziehen und ein Buchcover gestalten.

Du hast einen Thriller geschrieben? Prima, sieh dir die Thriller-Cover bei Amazon an und überleg dir einfach wie dein Cover in dem typischen Thriller-Cover-Stil aussehen würde. Das funktioniert alles ohne akademischen Abschluss eines Kunst- oder Designstudiums. Man muss nur ein paar fachliche Regeln beachten. That's it!

 

Was für Fehler können Selfpublisher bei ihrem ersten Roman bezüglich Coverdesign, Layout und Druck machen.

Cover: Die zwei gröbsten Fehler, die man beim Cover machen kann, sind gleichzeitig die zentralen Elemente: Das Bild und der Titel. Beim Bild gibt es gleich mehrere K.O.-Kriterien: Die Auflösung ist zu niedrig und das Bild erscheint verpixelt. Das Bild ist ein Foto und schlecht freigestellt. Das Bild ist ein Foto und das Motiv ist zu dunkel, zu klein oder schlichtweg schlecht. Das Bild ist eine Illustration und sieht aus, als hätte ein zehnjähriger sie gezeichnet. Das Bild ist ungeeignet für das jeweilige Genre. Eine Recherche kann dabei helfen, die richtige Art der Visualisierung zu finden. Je nach Genre macht es Sinn, einen Coverdesigner zu engagieren.

Beim Titel wird häufig der Fehler gemacht, dass Autoren eine möglichst kreative Schrift auswählen. Und die ist in den seltensten Fällen gut lesbar.

Die wichtigste Aufgabe einer Schrift auf einem Buch ist es dabei, den Titel klar und deutlich zu präsentieren. So deutlich, dass man ihn sogar mit zusammengekniffenen Augen lesen und verstehen kann. Wichtig ist also, dass man eine lesbare Schrift wählt. Das kann sogar eine einfache Systemschrift sein. Einige Fonts sollten aber vermieden werden. „Impact“ beispielsweise trägt einfach zu dick auf. Und wer die „Comic Sans“ verwendet, darf sich über abfällige Kommentare nicht wundern. Auch hier hilft die einfache Recherche im Netz. Einfach nachschauen, welche Fonts sich für welches Genre eignen. Wenn ich eine neue Schrift brauche, suche ich bei www.dafont.com. Da ist für jeden Geschmack was dabei.

 

Layout: Beim Layout kann man den Fehler machen, dass man die Bedeutung des Layouts zu leicht nimmt. Dabei ist es das wichtigste unbewusste Element beim Lesevergnügen. Die richtige Schrift auszuwählen und den Textblock so aufzubereiten, dass Leser*innen jede Seite mit Genuss lesen, ist ebenfalls ein gewisser zeitlicher und technischer Aufwand. Es gibt etliche Tipps zum Buchsatz im Internet. Die Basics bekommt man sogar mit Word und Open Office relativ einfach hin.

 

Druck: Beim Druck kann man den Fehler machen, ein nicht ausreichend gut überprüftes Dokument produzieren zu lassen. Das kann zu Rechtschreibfehlern, doppelten Kapiteln, fehlerhaften Grafiken, fehlender Schrift oder falschen Größenverhältnissen im Endprodukt führen. Und schwups hat man die doppelten Druckkosten. Besser ist es, vor dem Druck das gesamte Dokument so oft zu kontrollieren, bis man keine Fehler mehr findet. Und anschließend sollte zumindest noch eine weitere kundige Person das Dokument kontrollieren. Bei technischen Unklarheiten helfen die Druckereien gern weiter.

 

Ertappst du dich gelegentlich dabei betriebsblind zu werden, weil du alles selbst machst? Und wie schützt du dich davor?

Klaro, vor Betriebsblindheit ist schließlich niemand gefeit. Was meine Texte betrifft, schützt mich das Lektorat davor. Bei Kurzgeschichten gehe ich das Wagnis ein, das selbst in die Hand zu nehmen; ich sehe das als Fingerübung. Meist hilft es, den Text eine Nacht liegen zu lassen und am nächsten Tag mit etwas Abstand anzugehen.

Das funktioniert übrigens auch bei meinen Bildern. Und wenn ich Stellen finde, die nicht gut sind, muss ich da halt noch einmal ran. Bei meinen Bildern ist übrigens auch meine Frau ein nicht zu unterschätzender Gatekeeper. Sie hat ziemlich wenig mit Schreiben und Zeichnen am Hut, doch wenn sie an meinem Zeichenplatz vorbeischlendert und ein überraschtes „Oh“ von sich gibt, weiß ich, dass ich dringend etwas ausbessern sollte.

 

Was ist dein wichtigster Tipp, den du angehenden Selfpublishern mit auf den Weg geben kannst?

Keine Idee ist zu blöd, dass man daraus keinen guten Roman machen könnte. Sie muss nur so professionell umgesetzt werden, dass Steven Spielberg nach dem Lesen sofort einen Film aus dem Stoff machen möchte.

 

Robert, vielen lieben Dank.

 

Robert Rittermann: Packende Geschichten, tolle Zeichnungen und lesenswerter Blog. Das alles gibt er dir hier:

 

http://www.flying-cheese.com/

 

Willst du mehr spannende Interviews und Tipps für deinen Roman? Dann abonniere meinen Newsletter!

 

Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

Newsletter abonnieren

Kommentar schreiben

Kommentare: 0