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Deine Lizenz zum blutbaden und massakrieren: Genre und Thema Fantasy

 

»[…] Sie wollte nur Amerikaner töten, um jeden Preis. Es war das schiere, unbeschreibliche Böse, dem wir im Irak den Kampf angesagt hatten. Deswegen nannten viele Militärangehörige, ich eingeschlossen, unsere Feinde ›Wilde‹. […] Ich bedaure nur, nicht noch mehr Feinde erschossen zu haben. […] ich glaube, dass die Welt ein besserer Ort ist, ohne diese Wilden […]«

 

Das ist das ekelhafteste was ich je gelesen habe.

 

Du auch?

 

Wetten, du hattest schon mal ähnliche Gedanken?

 

Dieses Zitat stammt aus »American Sniper: Die Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle«. Chris Kyle erhielt für über 160 Tötungen viele Auszeichnungen. Chris Kyle ist ein Held. Ich könnte Kotzen!

 

Jetzt fragst du dich vielleicht: »In der Überschrift steht doch etwas von Genre und Thema Fantasy?«

 

Das ist Richtig und die Verknüpfung von Fantasy und dem American Sniper soll mein Schlusswort sein.

 

Ich bin nicht der schlauste Mensch. Vielleicht schlussfolgerst du schneller als ich. Aber ich will dich hin zum Schlusswort auf den Pfad der Kette meiner Erkenntnisse nehmen.

 

Achtung! Hast du gerade nicht so viel Zeit und Muße meinen Gedanken zu folgen, dann setz ein Lesezeichen und komm später wieder.

 

Ansonsten versuchen wir jetzt das Böse in dir zu ergründen.

 

Die Ergründung des »Bösen«

 

1. Kettenglied: Karate

 

Mit meiner damals neuen Aufgabe als Karate-Trainer, veränderten sich viele meiner Gedanken. Nun hörte ich nicht nur den Antworten meiner Trainer zu, ich musste selbst welche parat haben.

 

Fragen ploppten in meinem Kopf auf.

 

Wenn ich versuchte eine zu beantworten, wucherten plötzlich neue heran.

 

Die Frage: »Kann ich mich mit Karate überhaupt wirklich im Ernstfall zur Wehr setzen?«, führte zu, »Was muss ich verändern, damit ich nicht nur im Ring bestehe, sondern auch auf der Straße?«

 

Was ich da noch nicht wusste? Diese Fragen brachten mich dazu, genauso viel über meine »Gegner« nachzudenken, wie über mich.

 

Warum sollte überhaupt jemand mich angreifen wollen? Was motiviert Schläger zu einer Prügelei?

 

Die simple Antwort: Weil es ihnen schlecht geht.

 

Ihrer Seele fehlt Liebe.

 

Unterdrückung kann Glücksgefühle auslösen. Vor allem wenn der Unterdrücker sich selbst unterdrückt fühlt oder es zu genüge erfahren hat. Aber Glücksgefühle können gefährlich sein.

 

Zum einen verpuffen sie schnell. Die erneute Erkenntnis des eigenen Elends bewirkt das Gegenteil von Glück.

 

Zum andern sind wir darauf programmiert solche Erlebnisse zu wiederholen. Weil Glückshormone süchtig machen. Logisch.

 

Glückshormone suggerieren das eigene Überleben akut gesichert zu haben.

 

 

2. Kettenglied: American Sniper

 

Chris Tyler selbst.

 

Zuerst machten die Medien auf sein Buch aufmerksam. Mit ähnlichen Zitaten, wie ich sie eingangs aufgeführt habe. Dann der Film. Auch ich wollte die Geschichte des Helden auf der großen Leinwand sehen.

 

Was ich damals über das traurige Ende dachte, weiß ich nicht mehr. Zurück geblieben sind aber die kritischen Stimmen aus den Zeitungen und all das Mitleid, welches der Held von den Kinogängern erhielt. Behalten wir mein beklemmendes Gefühl im Hinterkopf.

 

 

3. Kettenglied: Black Mirror

 

Achtung! Spoiler!

 

Männer aus Stahl.

 

So heißt die Episode der Serie Black Mirror in der es um moderne Soldaten geht, die Jagt auf Mutanten machen. Stripe und seine Kameraden nennen sie Kakerlaken. Bei einem Einsatz wiederfährt Stripe etwas Merkwürdiges.

 

Ein Zwischenfall mit einer der Kakerlaken verändert sein Leben.

 

Denn kurz darauf trifft der auf Catarina und ihren Sohn. Seine Kameraden wollen die beiden erschießen.

 

Stripes kann das nicht zulassen und tötet seine Freunde.

 

Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass den Soldaten ein Chip eingepflanzt ist, der bestimmte Menschen für sie wie grässliche Mutanten aussehen lässt.

 

Die Entmenschlichung der Zivilisten lässt die tapferen Soldaten reuelos auf die »Feinde« ballern.

 

 

4. Kettenglied: Julia Shaw »Böse: Die Psychologie unserer Abgründe«

 

Julia Shaw offenbarte mir in ihrem Buch, warum ich mich nach dem Kinofilm American Sniper und der Folge Männer aus Stahl so schlecht fühlte.

 

Weil, trotzt Ablehnung, diese abgründigen Gefühle auch in mir stecken.

 

Sie erklärt, wie einfach es ist andere zu entmenschlichen. Ein Tattoo, eine Narbe, eine ungewöhnliche Nase reicht und wir sehen nicht mehr den Menschen, sondern nur noch die Absonderlichkeit.

 

Die Folge?

 

Wir distanzieren uns von diesen Sonderlingen, die nicht der »Norm« entsprechen. Ich bin meine Norm und du bist deine.

 

Du bist gut, also ist auch die Norm gut. Weil du gut bist, trifft dich keine Schuld.

 

Wenn du dennoch beschuldigt wirst, musst du das Gegenteil beweisen, denn du bist gut.

 

Aber auf Jemanden aus deiner Norm kannst du die Schuld nicht schieben. Das würde ja auf dich zurückfallen. Also nur Logisch, dass die »Unnormalen« Schuld an deiner Misere haben.

 

Ein Hoch auf den Rassismus (Ironie).

 

 

5. Kettenglied: Deckfront

 

Ja, mein eigenes Kartenspiel. Nein, keine Schleichwerbung.

 

Was hat das mit Entmenschlichung zu tun?

 

Gar nichts. Und das ist das Problem.

 

Ein Verlag lehnte Deckfront ab, unter anderem weil es ein Kriegsspiel Mensch gegen Mensch ist. Das ließ mich etwas stutzig werden.

 

Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit einem Spieleautor, der das Thema seiner Spiele von Antike zu Fantasy abänderte. »Das Thema verkauft sich besser.«

 

Komisch nicht wahr?

 

Spiele in denen sich fiktive Geschöpfe abschlachten, die von der Zielgruppe Kinder bis Erwachsene gespielt werden, verkaufen sich super. Werden die fabelhaften Wesen gegen Menschen ausgetauscht, bekommt das Spiel eine kritische Nuance.

 

Eigentlich wollte ich statt dieses Blogartikels ein Manifest schreiben. Der Titel sollte lauten:

 

Pervertiertes Heldentum. Ein Manifest krankhafter Gewalt

 

Worum sollte es in dem Manifest gehen?

 

Um meinen Verdruss an »klassischen« Heldengeschichten. Warum?

 

Weil es mich ankotzt, wenn der Held den Bösewicht tötet und Happy End.

 

Ist das wirklich die Botschaft, die Autoren vermitteln wollen?

 

Töte den Bösen und dann Friede, Freude und den weiblichen Sidekick bumsen?

 

Rachegeschichten!

 

Wenn ich das auf dem Klappentext lese, will ich mir am liebsten gleich die Hände waschen. Vorausgesetzt die Handlung ist einzig und allein eine Rachegeschichte.

 

Soll aber gezeigt werden, wie Rache die Seele zerfrisst – besser noch, wie sie geheilt werden kann – dann wandert es gerne in meinen Besitz über.

 

Ist das eine naive Betrachtung auf die Realität?

 

Schließlich ist töten in der Natur etwas langweilig Normales.

 

Warum töten Lebewesen (Tiere, Pflanzen und Co.) oder unterdrücken andere?

 

Aus nur einem einzigen Grund.

 

Sie wollen ihr eigenes Überleben sichern, dass ihrer Nachkommen oder dass ihrer Spezies. Warum?

 

Töten allein reicht nicht zum Überleben. Es müssen viele andere Fähigkeiten ausgebildet werden, die ebenso wichtig sind. Willkürliche Massaker fördern nicht nur nicht das Überleben, sondern behindern die Fähigkeiten Nachwuchs zu generieren und diesen lebensfähig heranzuziehen.

 

Mehr will die Natur nicht. Das war´s. Und wir Menschen?

 

Wir sind mit der Gabe des Glaubens gesegnet. Oder verflucht?

 

Wie man es nimmt. Fakt ist:

 

Wir sind in der Lage Ideen zu entwickeln. Schlimmer noch, wir können den Glauben entwickeln, die Idee wäre real. Kommt also die Idee auf: »Wenn mein Nachbar Tod wäre, dann geht es mir besser, denn…«

 

Aber Gesetze und kulturelle Entwicklung haben Mord in der westlichen Welt (relativ) zu einer verpönten Angelegenheit gemacht. Schade (Ironie).

 

Dabei macht uns Menschen Konflikt doch so viel Spaß. Wo können wir sie dennoch Konsequenzlos durchleben?

 

Klar! In Geschichten und Spielen (die auch nur gespielte Geschichten sind).

 

Du willst mehr darüber erfahren, warum wir Konflikte in Geschichten lieben? Dann erfahre es hier: Betrug am Leser! Spannungskiller 50% und wie du als Autor ihn vermeidest - Teil 2

 

Du bist Autor und fragst dich, wie du deinen Kunden einen konfliktreichen Genuss bieten kannst? Ohne dabei die Norm schlecht dastehen zu lassen, die deiner Kunden angehören?

 

Fantasy als moralische Lösung

 

Fantasy macht uns Autoren das Leben drastisch leichter.

 

Sterben bei einer Schlacht Orks, Roboter, Aliens oder sonst welche fiktiven Gestalten, juckt uns das nicht. Es ist als würde man im nebenbei eine Fliege erschlagen.

 

Kein Mensch = nicht meine Norm. Alles gut. So einfach, oder?

 

Nehmen wir Space Invaders. Eines der ältesten Videospiele und eines der erfolgreichsten der Welt. Ursprünglich sollte es um eine Armee aus Menschen gehen, die auf den Spieler zumarschieren. Aber das war einigen im Entwicklerteam zu heikel. Sie tauschten die menschlichen Soldaten gegen außerirdische Raumschiffe ein, die den Planeten übernehmen wollten und das Spiel war Augenblicklich ein Hit.

 

Genial! So einfach lässt sich das Töten propagieren. Hurra! (Ironie)

 

Du sagst jetzt: »Aber in dem Spiel schießt man die Aliens ab, damit das Überleben der Menschen gesichert wird. Widersprichst du dich nicht?«

 

Jaein.

 

Ich will nur die Frage in den Raum werfen: »Warum gibt das Spiel keinen Raum für andere Lösungsansätze oder zeigt zumindest auf, warum Töten der letzte Ausweg ist?«

 

Niemand mag Moralapostel!

 

Schon klar. Ich bin auch ein schlechter Missionar, denn:

 

Du darfst mich gerne als »doppelmoralisch« bezeichnen, weil keine meiner Geschichten ohne Fantasy-Horror-Elemente auskommt. Und in Deckfront bekriegen sich zwei menschliche Parteien.

 

Aber das stört mich nicht.

 

Denn zwischen all den Monstern und Mensch gegen Mensch, drehen sich meine Prämissen immer um Liebe.

 

Ohne zu viel zu spoilern:

 

Gegner und Monster bekommen von mir immer eine Motivation für ihre Grausamkeit oder wurden eigens vom Menschen erschaffen, um Leid anzurichten.

 

Bei Deckfront gewinnt nicht der, der am effektivsten tötet, sondern wer seinen Gegner eher Kampfmoralisch in die Knie zwingt. Es herrscht Krieg, warum auch immer, aber die Lösung ist nicht die Auslöschung der anderen Seite. Sondern den Kampf zu gewinnen, indem der andere einfach nicht mehr Kämpfen möchte.

 

Was soll dir das ganze Gesäusel nun sagen?!

 

Du bist Autor oder willst es werden?

 

Dann wirst du deine Leser beeinflussen. Davor kannst du dich nicht drücken.

 

So wie auch die Geschichte vom American Sniper beeinflusst. Held oder mordendes Monster?

 

Wie du es erzählst, macht den Unterschied.

 

Geschichten haben sogar schon ganze Kulturen beeinflusst und geprägt.

 

Meine Bitte!

 

Überleg dir gut was die Botschaft deines Buches, deines Spiels sein soll. Vertrittst du darin wirklich deine Werte?

 

Oder verrätst du sie auf der Jagd nach den besten Trends am Markt?

 

Mit jedem Buch und jedem Spiel gibst du dich, deine Seele und deine Werte weiter.

 

Also:

 

Feind töten und Friede, Freude und den weiblichen Sidekick bumsen?

 

Oder gibt es mehr, was du zu erzählen hast?

 

Schreib es in die Kommentare!

 

Teile diesen Beitrag, wenn er dich berührt hat, damit mehr davon bewegt werden!

 

Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

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