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Groteske Krankheit oder schnöder Alltag? Kris C. Macaw beantwortet diese Frage im Interview und mit ihren Büchern

 

Selbstverwirklichung.

 

Das will jeder. Auch du.

 

Aber was wir gerne vergessen:

 

Dazu zählen nicht nur deine Hobbies und die Arbeit.

 

Sondern auch die Liebe.

 

Jeder soll auf seine Art Lieben dürfen, oder?

 

Der Meinung ist auf jeden Fall Kris C. Macaw und schreibt darüber in ihren Büchern.

 

Unter dem Pseudonym Kris C. Macaw bist du als Liebesromanautorin bekannt. Allerdings in einem speziellen Subgenre: Gay-Romance. Was ist das und wie kam es dazu, dass du dieses Genre für dich entdeckt hast?
Bei Gay Romance geht es um ganz normale Liebesgeschichten. Der einzige Unterschied zur »normalen« Romance ist, dass beide Protagonisten homosexuell sind. Ich habe es mir also zur Aufgabe gemacht, in meinen Büchern coole Typen und starke Jungs miteinander zu verkuppeln.
Wie ich zu diesem Genre überhaupt gekommen bin? Hm ... ich hatte davon gehört und war einfach neugierig, was sich dahinter verbirgt. Von der ersten Geschichte, die ich dann gelesen habe, war ich sofort so fasziniert, dass ich direkt eine eigene im Kopf hatte, die aufgeschrieben werden musste. So habe ich innerhalb von wenigen Wochen meinen Roman »Maik & Cem – Herzklopfen« geschrieben und dann kurze Zeit später auch veröffentlicht.

Wie sieht es mit der Leserschaft aus? Von wem wird Gay-Romance gelesen?
Ich habe das Gefühl, dass Gay Romance vor allem von Frauen gelesen wird. Aber ich bekomme ja leider nicht von jedem eine Rückmeldung, der meine Geschichten liest. Es sind sicher auch einige Männer dabei, aber allein durch die Community sehe ich, dass die weiblichen Leser deutlich in der Überzahl sind.
 
Homosexualität ist heutzutage nichts außergewöhnliches mehr und dennoch häufig ein Tabuthema. Wie sieht der Markt für dieses spezielle Genre aus?
Ich würde sagen, der Markt ist noch relativ klein, wächst aber. Immer mehr Leser entdecken dieses Genre für sich, immer mehr Autoren und Autorinnen schreiben Storys mit homosexuellen Protagonisten. In Verlagsprogrammen taucht öfter Gay Romance auf, einige Verlage haben sich auch schon auf dieses Genre spezialisiert.
 
Pseudonyme sind in der Autorenwelt nichts außergewöhnliches. Aber gibt es zusätzliche Gründe als Gay-Romance Autor sich für ein Pseudonym zu entscheiden?
Im allgemeinen für ein Pseudonym habe ich mich entschieden, weil ich aus einem kleinen Ort komme und nicht jeder gleich wissen sollte, was ich schreibe oder dass ich überhaupt schreibe. Das hat aber prinzipiell jetzt gar nichts mit dem Gay Romance Genre zu tun. Ich habe vorher Romantasy geschrieben und auch da schon ein anderes Pseudonym genutzt. Ich finde einfach, nicht jeder muss wissen, wer genau hinter einem Roman steht, denn ich habe ja auch noch ein Privatleben, eine Familie etc. Und es wird einem als Autor ja auch nicht immer nur Wohlwollen entgegengebracht.
Speziell für das Pseudonym »Kris C. Macaw« habe ich mich aus zwei Gründen entschieden. Zum einen, weil geschlechtsneutrale Namen in diesem Genre angeblich besser ankommen sollen und zum anderen, weil der Name auch eine Bedeutung haben sollte, der irgendwie zu dem passt, was ich schreibe.
»Macaw« ist nämlich ein Ara, also ein bunter Papagei. Was das jetzt mit dem Genre zu tun haben soll? Ich habe es für mich so interpretiert, dass Liebe, über die ich nun mal schreibe, so bunt und facettenreich ist, wie die Federn eines Papageis. Das spiegelt sich auch in meinen Logos wieder.
 
Welche Unterschiede gibt es beim plotten einer Gay-Romance gegenüber einer „gewöhnlichen“ Liebesgeschichte zu beachten?
Ich glaube, da gibt es keine. Der einzige Unterschied ist ja nur, dass es um zwei Männer geht.

Wie entscheidend ist es in der heutigen Zeit noch zwischen hetero- und homosexuellen Liebesgeschichten zu unterscheiden?
Das ist eine gute Frage, die ich so gar nicht beantworten kann. Für mich zum Beispiel ist es egal, welches Geschlecht die Protagonisten in einem Buch oder auch  einer Film Romanze haben. Wichtig sind für mich die Gefühle, die rüber gebracht werden, die Story, alles Drumherum. Es gibt aber auch Menschen, die damit nicht so offen umgehen, oder es einfach nicht unbedingt sehen oder lesen möchten. Ich kann das zwar nicht nachvollziehen, verurteile deshalb aber auch niemanden (außer er ist wirklich homophob, damit habe ich dann schon ein Problem). Aber für Menschen, die diesem Genre nichts abgewinnen können, ist es meiner Meinung nach nur fair, dass beispielsweise ich als Autorin darauf hinweise, dass es in meinen Büchern um die Liebesgeschichten zwischen Männern geht. Diejenigen, die genau das mögen, wissen so sofort, dass sie bei mir richtig sind. Die anderen lassen einfach die Finger von meinen Romanen. Das ist völlig in Ordnung. Es muss ja auch nicht jeder Thriller mögen oder auf Fantasy Geschichten abfahren.
 
Bisher hast du alle deine Romane mit männlichen Liebespärchen geschrieben. Häufig wird Autoren unterstellt, sie können sich mehr schlecht als recht in das andere Geschlecht hineinversetzen. In wie fern verkompliziert sich die ganze Sache zusätzlich, wenn beide Verliebten zum anderen Geschlecht gehören?
Ja, das wird Autoren und Autorinnen tatsächlich immer wieder unterstellt. Da ist auch sicher etwas dran. Aber ich schreibe Liebesgeschichten. Da geht es um Gefühle. Und die hat jeder. So ziemlich jeder war schonmal verliebt. So ziemlich jeder wurde schonmal versetzt, hat einen Korb bekommen, musste jemanden gehen lassen, war traurig, enttäuscht, wütend ... Wie sich Glück anfühlt und Zufriedenheit wissen wir hoffentlich auch alle. Egal ob Mann oder Frau.
Wenn es dem Autor/ der Autorin gelingt, die passenden Gefühle richtig rüber zu bringen, ist es doch völlig egal, um welches Geschlecht es dabei geht.
Klar verhalten sich Männer oft ganz anders als Frauen es tun würden und umgekehrt, aber das weiß man ja eigentlich auch und kann versuchen es passend zu formulieren. Zu 100% in jemand anderes hineinversetzen kann man sich ohnehin nicht. Ich weiß auch nicht, was in den Köpfen anderer Frauen so vorgeht. Ich kenne nur meine Gedanken. Und ich erschaffe meine eigenen Protagonisten, versuche sie so real wie möglich und ihre Handlungen nachvollziehbar zu gestalten. Aber meistens machen sie eh einfach was sie wollen ;)

Welchen Einfluss hat das Genre Gay-Romance auf unsere Gesellschaft?
Ich hoffe sehr, dass es die Gesellschaft positiv beeinflusst. Es muss einfach offen mit dem Thema umgegangen werden. Zum Glück passiert das ja momentan auch. In vielen Serien zum Beispiel ist zumindest ein Protagonist oder Nebendarsteller homosexuell und die Geschichte wird nebenher miterzählt. Man sieht es also immer häufiger und so wird es, denke ich, »normal«. Ich hoffe einfach, dass die Romane in diesem Genre diese Entwicklung ebenfalls positiv beeinflussen, vielleicht auch Mut machen, zu dem zu stehen, was man fühlt.
 
Wie bedeutend ist die Hingabe des Autors für dieses, leider immer noch, Tabuthema? Oder ist der Profit in dieser Nische ergiebig genug, dass Hingabe für die Wirtschaftlichkeit keine Rolle spielt?
Ich kann da nur für mich sprechen und sagen, dass ich enorm viel Zeit, Liebe und Herzblut in meine Geschichten stecke. Der größte Lohn ist dann für mich - und ganz sicher auch für viele andere Autoren, völlig egal in welchem Genre - die ein oder andere Rückmeldung, die ich in Form von Rezensionen oder einer persönlichen Mail bekomme. (Was aber viel zu selten der Fall ist ... also liebe Leser: Lasst die Autoren wissen, wenn euch ihre Geschichten gefallen haben. :) Ihr zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht.)

 

Für einen großen Teil unserer Gesellschaft ist Homosexualität etwas, was wider der Natur ist. Wie berechtigt ist dieser Vorwurf?
Wenn ich so etwas von jemandem höre, kann ich eigentlich bloß mit dem Kopf schütteln. Der Mensch ist nicht die einzige Spezies in der Natur, die homosexuelle Verbindungen eingeht, der Mensch ist nur der einzige, der meint darüber urteilen zu müssen. Dabei gibt es wesentlich wichtigere Dinge, über die man sich heutzutage Gedanken machen sollte ...
 
Was glaubst du? Wie lange wird es dauern und was muss noch geschehen, damit die zwei Wörter Homosexualität und Tabuthema nicht mehr zusammen in einem Satz erwähnt werden?
Darauf habe ich leider keine Antwort. Ich hoffe aber, dass wir auf dem richtigen Weg dorthin sind.

 

Kris C. Macaw:  https://www.facebook.com/KrisC.Macaw

 

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Dein Viktor

 

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