Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 1: Die Zusammenkunft

 

II Eine Handvoll Dummheiten

 

Sie fuhren mit offenem Fenster. Er am Steuer, die junge Frau neben ihm und Rufus auf der hinteren Beifahrerbank. Roland suchte ebenso wirr nach Antworten, wie seine Krawatte ihm Fahrtwind flatterte. Zu Hause musste er die Zentrale informieren und diese junge Frau schnellstmöglich wieder loswerden.

Gedankenverloren lenkte Roland seinen Ford Model-T durch den Verkehr von Arkham und fragte sich immer wieder, wie er nur zulassen konnte ihr nachzugeben. Heute hatte er mindestens eine Hand voll Dummheiten begangen. Den Tatort zu verlassen und Mr. Henkerson die Zentrale anrufen zu lassen gehörten dazu. Nur zugut konnte er sich den Einsatzleiter vorstellen, wie er im Büro tobte und Rolands Portrait vom Brett Agent des Monats riss.

 

Wendy hatte Glück im Unglück. Für die nächsten Monate hatte sie ausgesorgt und der dumme Polizist war ihr Ticket, diesem Martyrium heil zu entkommen. Sie musste nur tun was sie immer tat, durchhalten.

 

Arkham war nie eine aufbrausende Stadt gewesen. Sie passte zu Roland. Ruhig und gesittet. Aber die Vorkommnisse der letzten Monate veränderte die Menschen.

Einige behaupteten, es läge an der anhaltenden Hitze. Doch Roland wusste es besser und die Medien ebenfalls. Anstatt den Bundesagenten ihren Job machen zu lassen, hielt sich jeder Amateurfotograf für einen Ermittler. Spekulationen gehörten aus der Menschheitsgeschichte getilgt, stattdessen füllten sie ganze Zeitungen. Da fiel ihm ein, seine eigenen Spekulationen gehörten ebenfalls getilgt zu werden.

»Miss, wie ist ihr Name?« Roland sah flüchtig zu dem Mädchen neben sich.

Sie war wie im Wachkoma. An die Tür gelehnt starrte sie hinaus ohne ihre Augen zu bewegen. Apathisch spielte sie mit ihrer Halskette.

Das Schmuckstück war Roland gleich aufgefallen. Noch auch Mr. Henkersons Hof hatte er zu seinen Handschellen gegriffen, aber rechtzeitig hatte er seinen Irrtum bemerkt. Das Symbol darauf war ein anderes, als er im ersten Moment geglaubt hatte zu erkennen.

Rufus hielt seinen Kopf zum Fenster hinaus. Vorhin hätte Roland schwören können, das Mädchen hätte angst vor Hunden. Nun war ihr Rufus Anwesenheit gleichgültig. Er ging auf Nummer sicher. »Miss, ist es Ihnen wirklich recht, dass der Hund hier bei uns ist?«

Das Mädchen spielte mit der Brosche ihrer Kette und Rufus´ Zunge schlabberte im Fahrtwind.

 

Für einen Stadtmenschen war das Haus riesig und weit abgelegen. Wendy hatte nicht gedacht, so nah am Wald noch Wohnhäuser vorzufinden. Einen Augenblick lang dachte sie, sie wäre an den Falschen geraten.

Hinter der ersten Baumreihe hatte sie das Haus des Bullen gesehen und entspannte sich. Dieses Mal saß sie nicht im Auto eines gewalttätigen Perversen.

Unauffällig nahm sie ihre Hand von der verborgenen Tasche ihres Kleides zurück.

Der Wagen parkte vor dem Anwesen. Sie stiegen aus und der Bulle bat sie, ihm zum Hauseingang zu folgen. Er kramte zwei verschiedene Schlüssel aus zwei verschiedenen Taschen und öffnete zwei verschieden Schlösser.

Der Köter rannte vor. »Hier entlang.« Einladend hielt ihr der Bulle die Tür auf. Da reinzugehen war das letzte was Wendy wollte, aber sie musste vorerst mitspielen.

Sie trat ein und der Bulle führte sie ohne Umschweife in eine Abstellkammer, die er als Büro nutzte. Es besaß keine Fenster. Innerlich fiel Wendy in sich zusammen. Fenster waren bisher immer ihre besten Verbündeten gewesen.

Die einzige Lichtquelle in dem Arbeitszimmer war eine Schreibtischlampe. Genauso gut hätte dieses Büro eine Gefängniszelle sein können. In ihr sträubte sich alles, doch sie würde den Polizisten noch überlisten. So wie jeden anderen auch.

Der Bulle befreite darin einen Stuhl in der Ecke von einem Bücherstapel und forderte sie auf, Platz zu nehmen. Auf dem obersten Band des Stapels konnte sie den Titel lesen. Okkulte Praktiken.

An einer Garderobenstange hing der Bulle seinen Hut auf und wand sich zu ihr. »Tee oder Kaffee, Miss?«

Wendy sprach grundsätzlich nicht mit Polizisten, aber das war die Gelegenheit auf die sie gewartet hatte. Deutlich schneller als Gedacht. »Kaffee.«

Mit einer Geste wies er sie erneut an, sich setzen zu sollen. »Warten Sie einen Moment.« Der Bulle verließ den Raum und zog die Tür hinter sich zu.

Sie wartete einen Moment und schlich dann, auf Zehenspitzen wie eine Katze, zum einzigen Ausgang des Arbeitszimmers. Wendy legte das Ohr an die Tür. In sicherer Entfernung hörte sie geschäftige Küchengeräusche. Vorsichtig drückte sie Klinke herunter und tapste hinaus.

Die Dielen knarzten und wie es für ein so altes Haus üblich war, lagen überall Teppiche aus. Sie machte lange Schritte und stieg von Stofffetzen zu Stofffetzen. Da schepperte es. Sie erstarrte mitten in der Bewegung.

Aus der Küche brüllte der Bulle. »Verdammt!« Ihm musste die Kaffeedose heruntergefallen sein. Wendy schlich weiter.

Der Flur machte eine Abbiegung und sie erblickte die Haustür. Innerlich jubelnd beschleunigte sie ihren Gang. Es bewegte sich etwas und Wendy verlor beinahe ihre Beherrschung. Ihr entfuhr ein leiser Schrei. Mit beiden Händen schlug sie sich auf den Mund, um weitere zu unterbinden.

Rufus hob seinen Kopf und starrte sie an. Das schwarze Fell schoss ihr Bilder von letzter Nacht ins Gedächtnis.

Hechelnd saß der Hund neben der Haustür und sah sie an. Sein Blick durchbohrte sie, als könnte er ihre Gedanken lesen.

Wie hat es dir gefallen? Lass es mich wissen und schreibe einen Kommentar!

 

Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

Kommentare: 0