Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 1: Die Zusammenkunft

 

IV Heimgesucht

 

Wendy krümmte sich auf dem Boden. Ihre Schulter war geprellt. Innerlich fluchte sie und beschimpfte sich selbst, wie dumm sie sein konnte, ihre einzige Chance zur Flucht zu vermasseln. Wie schwer konnte es sein, nach einer Türklinke zu greifen.

Der Bulle hatte sich bereits zwischen sie und dem Ausgang gestellt. Er grabschte an der Tür und versuchte…ja was versuchte er denn? Egal, jetzt war es vorbei. Die Zähne der Handschellen lauerten bereits auf ihren Biss.

Den lädierten Arm legte sie wie einen Flügel an ihre Brust und versuchte aufzustehen. Da hörte sie etwas.

Ein Gesang aus weiter Ferne. Ein Chor. Wendy lauschte. Eine schreckliche Idee. Sie schlug die Hände an die Ohren und fiel mit ihrem bereits erhobenen Oberkörper zurück auf die Dielen. Klänge von zerreißendem Metall bohrten sich wie ein Wattestäbchen umwickelt mit Stacheldraht in ihr Trommelfell. Ihr entfuhr ein Schrei.

Es sollte aufhören, sollte aus ihrem Körper verschwinden. Plötzlich verstummte es, war fertig.

Die wohltuende Ruhe war nicht lange von Dauer. Etwas schabte und kratzte direkt unter ihr, unter den Dielen. Die Schulter war vergessen. Sie sprang mit einem Satz auf die Beine.

Wendy stolperte rückwärts und presste sich an die Wand. Das Kratzen arbeitete hektisch und weitere Krallen halfen durchzubrechen. Die Dielen bewegten sich. Wendy versuchte sich mit ihrem Rücken durch die Wand zu drücken.

Wie zugenäht trauten sich ihre Lippen nicht ihre Gedanken hinauszuschreien. Es kommt! Ich sterbe! Allein! Halt! Der Bulle.

 

Roland wimmerte in der Ecke. »Nein! Verschwindet!«

Ein Schatten huschte an seinem Nacken vorbei und wisperte ihm zu. »Zecke!« Es war die Stimme seiner Mutter.

Das Gesicht seines Vaters, bestehend aus Dunst, schwebte über ihm und pflichtete seiner Mutter bei. »Versager.«

Seine Mutter zog weitere Kreise um Roland und fauchte. »Schlag ihn! Nicht die Hand. Nimm den Gürtel, verdammt.«

Roland schrie und schüttelte den Kopf. Seine Knie zog er eng an seinen Oberkörper und hielt sich an sie Schläfen, als presste er eine Kokosnuss aus. »Aufhören! Verschwindet!«

 

Was war nur in den Bullen gefahren? Eine Kralle schlitzte die Bodendecke auf. Kreischend sprang Wendy zum Polizisten und klammerte sich an ihn. Er schluchzte. Sie packte seine Schultern und rüttelte ihn. »Sir! Sir! Hier passiert…« Der Dielenboden knackte.

 

Metall klimperte. Roland kannte das Geräusch. Sein Vater bellte ihn an. »Junge, komm her!«

Die Zähne schmerzten vom zusammen gepressten Kiefer. Nein! Seine Mutter zischte ihm ins Ohr. »Geh! Oder soll ich deinem Vater sagen, er soll die Schnalle benutzen?«

 

Der Bulle schrie Wendy ins Gesicht. »Nein!« Er stieß sie beiseite und sprang auf. Ihr Kopf krachte gegen ein Regalbrett. Bücher regneten auf sie herab.

Aus seinem Mantel, der über dem Schreibtischstuhl hing, zerrte der Bulle einen Revolver hervor. Er richtete die Waffe auf sie.

 

Gewalt hatte ihn früher schon befreit und würde es nun wieder tun müssen. Nebelhaft schwebten seine Eltern vor ihm. Der Finger zitterte am Abzug.

 

Ein Dielenbrett brach aus dem Boden und verschwand in dem Loch, dass es hinterließ. Wendy hielt den Atem an. Eine Hand tauchte aus dem Loch auf und brach ein weiteres Stück aus den Dielen.

Zwei, drei, vier Hände stocherten hervor und rissen einen Krater in den Boden. Wendy fehlte die Luft zum Schreien.

Eine Gestalt kletterte hastig aus dem Loch, dicht gefolgt von einer Zweiten. Schwarz und nackt erhoben sie sich auf die Hinterbeine. Aus ihren Hundefressen tropfte Speichel. Sie schlürften auf Wendy zu. Kurz stritten sich die Bestien und schnappten gegenseitig zueinander. Einer gewann das Vorrecht und stürzte sich auf sie.

Peng! Blitzlicht! Blut und Geschrei! Peng! Wieder und wieder Peng, Peng!

Mit ausgetreckten Gliedmaßen lagen die Monster am Boden. Wendys Kleid war rot besprenkelt.

 

Das Mädchen kreischte wie ein Feueralarm. Aus dem Lauf des Revolvers qualmte es. Roland trat ein Schritt an die Bestien heran und sah auf sie herab. Er kotzte auf seine Schuhe.

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Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

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