Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

I Die Nacht des Verderbens

 

Die silberne Kugel spiegelte sich in den schwarzen Wellen. Es war Vollmond und der Miskatonic ruhig. Zum Glück schien nicht die Sonne. Sie brannte und Feuer war das letzte woran Roland denken wollte. Dieses Miststück, sie hatte ihm alles genommen.

Wäre er nur nicht so müde gewesen und in diese Leere gefallen, dann hätte er sie aufgehalten. Wach und leblos musste er dabei zusehen, wie die Rothaarige eine Fackel bastelte und sein Anwesen anzündete.

Das Inferno konnte er am Horizont sehen. Roland konzentrierte sich auf die wabernde Silberkugel, um nicht hinschauen zu müssen.

Die Nacht war gut. Schwarz war gut. Die bereits verstrichene Abenddämmerung hatte die Welt mit einem roten Farbfilter überzogen. Eine Farbe die er nicht sehen konnte. Rot war Feuer. Schwarz war gut. Schwarz war Rufus Fell gewesen. Verfluchtes Schwarz.

 

Die Frau mit der Machete breitete vor Wendy die Arme aus und versperrte ihr den Weg. »Kleines, wenn du gehst, dann bist du Tod.«

Wendy wischte sich den Rotz aus dem Gesicht. Diese Amazonen hatte sich ihr als Lita vorgestellt. Lita war eine Frau. Das war schlecht. Frauen konnte Wendy nicht mit klimpernden Wimpern um den Finger wickeln.

Lächelnd ließ Lita die Arme sinken, als hätte sie Wendys Gedanken gelesen.

 

Jemand setzt sich zu Roland an die Kannte des Stegs. Über den Wellen wehte eine Brise und trug den Lärm der Feuerwehrsirenen über den Fluss.

Die Person neben ihm war bedrückt. »Ich habe ihn rausgebracht. Noch vor dem Feuer. Er liegt bei der Tanne hinter dem Haus. Du willst ihn sicher beerdigen.«

Am liebsten hätte Roland immer noch daran festgehalten, dass er träumte. Aber kein Albtraum könnte dieses Loch in seine Brust reißen, welches nun in im klaffte. Es fühlte sich an, als wäre ein Bombeneinschlagskrater an der Stelle, wo einst sein Herz pochte.

Roland stand auf. Für die Monsterjagd gab es kein Verfahrenshandbuch, aber im Bombenhagel kämpfen, dass konnte er. So wie alles um ihn herum explodierte, so musste er es auch. Aber hier gab es keine Feinde, die er zerfetzen konnte.

 

Erschreckt fiel Wendy fast ins Wasser. Der Bulle sprang auf und kläffte. »Warum sind wir hier? Hier im Hafenviertel ist niemand! Wo sind diese Schweine? Wo ist ihr Nest? Ich werde sie ausräuchern!« Die Amazone kam nicht zu Wort. Er brüllte weiter ohne eine Antwort abzuwarten. »Was haben Sie als nächstes vor?! Erst mein Hund, dann mein Haus und jetzt? Soll ich jetzt auch noch meinen Revolver in den Fluss schmeißen? Hm! Ist es das, was Sie wollen? Mir alles nehmen, was noch von Bedeutung ist? Was wollen Sie von mir?!«

Der Bulle zog seine Waffe.

Wendy zog sich an ihm hoch. »Scheiße! Aufhören!« Sie stellte sich ihm halb in den Weg. Sich vor den Revolverlauf aufzubäumen war fahrlässig. »Halt den Rand! Sie hat uns gerettet!«

Er fletschte die Zähnen, wie ein tollwütiger Wolf.

Sie musste ihn besänftigen. »Hier sind wir sicher. Sagt sie.« Vorsichtig blickte Wendy über die Schulter zu Lita. »Richtig…?«

Die Rothaarige blickte stur zurück.

Wieder bellte der Bulle. »Aber mein Haus…«

Klatsch. Die Ohrfeige hatte gesessen. Wendy hatte genug davon. »Sie faselte etwas von Dimensionsverschiebung bei deinem Haus und anderem Quatsch. Aber scheiß drauf! Hör ihr verdammt noch mal zu. Ich will nicht ewig mit diesem Fluch leben!«

Der Bulle rieb sich die Wange. »Fluch?«

Lita blickte in den Himmel als hielt sie nach etwas Ausschau. »Die Zusammenfassung: Ein Geheimkult will Arkham an sich reißen und sie zur Hauptstadt ihres okkulten Imperiums machen. Das soll heute passieren, heute Nacht. Und die Monster in deinem Haus, das sind ihre Diener.«

Spöttisch gackerte der Bulle. »Natürlich. Wie sollte es auch anders sein. Wäre mein Haus jetzt nicht das Fegefeuer selbst, dann hätten wir diese Kultisten unter den Masken gefunden.«

 

Eine Hand legte sich auf seine in der er den Revolver hielt. Das zickige Gör war tatsächlich zu einem flehenden Gesichtsausdruck fähig. Gehörte sicherlich zur Straßenausbildung dazu. »Nimm die Waffe runter. Ich brauch sie. Wenn sie mir geholfen hat, mich vom Fluch dieses Priesters zu befreien, dann mach was du willst. Aber bis dahin, halt die Füße still. Sie weiß, wie ich ihn loswerde.«

Lita schnalzte mit der Zunge. »Soll ich dir jetzt danken, Kleines?«

Schießen wäre jetzt das richtige gewesen. Aber Roland senkte den Revolver. Er sah das verwaiste Mädchen an. »Vertrau ihr nicht. Wegen ihr habe ich die vielen Schlösser an meiner Tür…gehabt. Seit Wochen schleicht sie auf meinem Grundstück herum. Einmal habe ich sie nachts fast erschossen.«

 

Lita trat vor und schob Wendy beiseite. Sie standen sich von Angesicht zu Angesicht, wie Kampfhähne die auf den Startschuss warteten.

Wendy ignorierend funkelte Lita den Bullen an. »Spürst du es nicht auch? Doch, tust du. Ich sehe es in deinen Augen. Dein Verstand kämpft mit Visionen. Meiner auch. Sie schlüpfen in unsere Schädel und terrorisieren unseren Geist mit albtraumhaften Halluzinationen. Mir brennt es das Hirn aus. Wie geht es dir damit? Die haben dich ins Visier genommen, genau wie mich. Wir haben zu tief gegraben, wissen zu viel.«

Wendy musste daran denken, wie verrückt sich der Bulle aufführte, kurz bevor die ersten Monster ins Arbeitszimmer eindrangen.

Fauchend trat Lita zurück. »Ohne mich wärst du schon lange Tod. Ihr beide. Aber was kümmert es mich. Macht doch was ihr wollt. Die Leichenfresser laufen Amok. Einer muss sie aufhalten.« Sie drehte sich zum Gehen um.

Schnell packte Wendy ihren Arm. »Nein warte. Der Fluch!«

 

Sein Instinkt klingelte. Dieser Sinn scherte sich nicht um Logik oder Vernunft. »Mrs. Turner.«

Die Frauen blickten Roland fragend an.

Er dachte laut. »Mrs. Turner, sie zittert seit geraumer Zeit immer in meiner Anwesenheit und lässt ständig etwas fallen, wenn ich zur Tür reinkomme. Die Bestatterin im Krankenhaus.«

Ein bestialischer Schrei ertönte am Himmel. Erschreckt duckten sie sich in die Hocke. Lita zog die Machete und brüllte. »Lauft!«

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Dein Viktor

 

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