Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

II Blutige Faust des Gesetzes

 

Es kam vom Himmel und schrie.

Roland war bereit für die Rache, aber ehe er einen klaren Gedanken fassen konnte, rannte er der fliehenden Lita hinterher. Dicht gefolgt vom Mädchen. Wenn die rothaarige Monsterschlächterin floh, dann war es ernst.

Das bestialische Kreischen über ihnen spornte sie an. Sie liefen auf die Lagerhallen des Hafens zu. Am Wasser waren sie leichte Beute.

Kurz bevor sie in eine Gasse zwischen zwei Gebäude schlüpften, drehte sich Lita zu Roland um und warf ihm etwas zu. »Hier!«

Perplex fing er es und hielt eine seiner Munitionsschachteln in den Händen. Lita musste seinen Gartenschuppen durchstöbert haben. Ein Lächeln glitt Roland über die Lippen. In Deckung bringen, Laden und dann begann seine Jagd. Da stürzte es sich auf sie nieder.

Es landete auf seinen Hinterbeinen und schmetterte Roland einen Flügel ins Gesicht. Das Päckchen glitt ihm aus den Händen und flog ihm hohen Bogen in die schwarze Nacht hinein.

 

Wendy stoppte, als hätten Tentakel aus dem Wasser ihre Füße umschlungen. Unweigerlich beobachtete sie die mannsgroße, groteske Kreatur, die über Lita stand und versuchte sie mit seinen Krallen in Stücke zu reißen. Doch die Rothaarige war selbst auf dem Rücken liegend ein tödlicher Gegner. Die Machete hieb auf das Monster ein und hielt es auf Abstand.

Der wahnsinnige Bulle rannte mit erhobenen Fäusten auf die Bestie zu. Das Ungetüm peitschte ihn mit seinem Schwanz nieder und hackte ungebremst auf Lita ein.

Hilfesuchend zeigte der am Boden liegende Bulle auf Wendy. Nein, nicht auf sie. Auf etwas hinter hier.

Im Mondlicht glitzerte etwas am Ufer. Sie rannte ans Wasser und fand eine Handvoll Patronenkugeln. Sie griff nach ihnen und sah wie das Monster Litas Schulter aufschlitze. Blut spritzte von den Krallen. Wendy schrie vor Schreck und die Munition klimperte auf den Holzsteg.

Der Bulle kniete sich auf und schrie ihr zu. »Wirf!«

Sie sah in ihre zitternden Hände. Eine Kugel klebte zwischen den schwitzigen Fingern. Lita keuchte, die Bestie schwang die blutigen Klauen und der Bulle brüllte ihr zu. Alles hing an ihr. Die Patrone in ihrer Hand. Ihr aller Leben war ihre Verantwortung. Nein!

Diese Bürde wollte sie nicht. Sie musste überleben. Der Rest war für sich selbst verantwortlich. Der Bulle sollte aufhören sie anzustarren und sie schmiss ihm die Kugel zu. Soll die Bestie sie doch fressen. Das wäre Wendys beste Fluchtmöglichkeit.

Ihr Wurf war Ziellos. Die Patrone landete meterweit vom Bullen entfernt auf die Straße. Mit einem Hechtsprung warf er sich auf die glitzernde Kugel, lud im Aufstehen seinen Revolver und zielte.

Kopftreffer!

Die Kreatur sackte auf Lita zusammen und begrub sie unter den gewaltigen Flügeln.

 

Hechelnd hockten sie in Sicherheit in einer schmalen Gasse. Roland sah auf die Munition in seiner Hand, die noch zu retten war. Die wenigen die das Gör fallen gelassen hatte, waren die einzigen, die nicht zusammen mit der Schachtel im Fluss landeten. Es blieb eine Trommelladung. Zu wenig für einen anständigen Rachefeldzug.

Das Mädchen hockte an der Wand und Lita begutachtete ihre blutende Schulter. Roland lud den Revolver und sprach zu seiner Waffe, aber seine Worte galten der Verrückte mit der Machete. »Da sind mehr von denen, richtig?«

Lita nickte. »Also das Krankenhaus, Ermittlungsleiter Banks?«

Die geladene Trommel rastete in den Revolver ein. Roland war startklar. »Es ist alles andere als eine Spur, aber da klingelt mein Instinkt.«

Die Machete schwang umher als Lita ihre Schulter kreiste und ihre Einsatztauglichkeit testete. »Na dann, schlagen wir uns durch.«

Energisch stemmte sich das Gör auf die Beine. »Viel Spaß. Ohne mich!«

Lita sah sie schief an. »Und der Fluch, Kleine?«

Das Mädchen verschränkte die Arme. »Ich werde es überleben.«

Bildete Roland es sich nur ein? Die Dunkelheit verschleierte Litas Blick, aber in ihren Augen glaubte er ein funkeln zu erkennen. Bissig erwiderte sie dem Trotz der frechen Göre. »Deine Entscheidung, Kleine. Aber wenn der nächste Flattermann kommt und dir die Gedärme rausreißt, dann grüß ihn bitte von mir, ja?«

Roland steckte seinen Revolver ein. »Haltet den Mund, beide. Ich gehe jetzt und bereite dem ein Ende.«

Die Rothaarige atmete erleichtert auf. »Wenigstens einer mit Verstand. Aber in die Stadt zu gehen wäre Selbstmord. Die Dinger am Himmel sehen uns sobald wir einen Schritt auf die Straße setzen.«

»Ich…« Das Gör stotterte. »Es gibt Wege. Wege die kaum jemand kennt. Da werden sie uns nicht sehen können.«

Zustimmend klopfte Lite dem Mädchen auf die Schulter. »Gut. Wir folgen dir. Und ich dachte schon deine Nützlichkeit endet hier.«

 

Dumm! Das war einfach nur Dumm. Was tat sie hier überhaupt? Wendy führte sie durch die Schlupflöcher von Arkham und wofür? Für einen Aberglauben, für ein Märchen von einem Fluch. Aber nach diesen Monstern…Wendy wusste nicht mehr was real war und was nicht.

Sie huschten durch Gassen, kletterten über Zäume und durchquerten verborgene Hinterhöfe. Gelegentlich stoppte die rote Furie sie und wies in den Himmel, doch sie blieben unentdeckt.

 

Diese Wege kannte Roland tatsächlich nicht und er war in Arkham aufgewachsen. In einer versteckten Unterführung blieb das Straßenmädchen plötzlich stehen und sah sich nervös um. Roland flüsterte. »Was ist?« Da stürmte das Gör plötzlich blindlinks los. Sie stolperte über ihre Füße und schlug mit dem Gesicht auf die Pflastersteine.

Roland wollte ihr aufhelfen, doch sie riss sich los und lief davon. Er und Lita preschten hinterher und holten sie in einer Sackgasse ein. Wie ein verängstigtes Reh presste sie sich in die gemauerte Ecke.

 

Wo ist es?! Wo ist es?! Der Schatten! Ist er wieder da? Er hat Mama geholt. Will er jetzt mich?

Zwei Hände packten Wendy. Lita schüttelte sie. »Das ist nur in deinem Kopf. Reiß dich zusammen, Kleine! Weiter geht’s.«

 

Unter Litas druck ging die heimliche Tour weiter. Schließlich standen sie vor dem St. Mary´s Hospital und beobachteten es im Schatten der Bäume des nebenstehenden Parks. Etwas musste unterwegs geschehen sein. Das Gör wirkte verstört und bewegte sich nur noch, wenn Lita sie am Nacken packte.

Lita wollte vorpreschen. »Los, schwing deine Polizeimarke und bring uns da rein.«

Roland schüttelte den Kopf. »Damit die genug Zeit haben die Beweise zu vernichten? Wir brauchen einen Plan.«

»Psst.« Das Gör zeigte auf einen der Seitenausgänge des Krankenhauses. Eine in Mantel und Kapuze verhüllte Gestalt schlich sich heraus.

Lita sprang auf. »Da ist unser Plan.«

Schnell packte Roland ihren Arm. »Warte. Wir umzingeln ihn und schneiden ihm den Weg ab.« Plötzlich schrie das Mädchen auf und rannte quiekend, wie ein flüchtendes Karnickel, davon.

Die vermummte Gestalt hörte es und nahm Reißaus.

Sie rannten dem Verdächtigen hinterher und schwärmten aus. Die Kapuze hinderte offensichtlich den Überblick zu behalten und die Gestalt lief wirr zwischen den Krankenwagen her, die auf dem Parkplatz standen. Lita jagte ihm hinterher und Roland umkreiste die Fahrzeuge. Ihr Spiel ging auf. Lita hetzte den Verdächtigen genau in Rolands Arme.

Zwischen zwei Krankenwagen stellte sich Roland ihm in den Weg. »Polizei! Stehen bleiben!«

Der Kapuzenmantel wirbelte umher und setzte zum Rückzug an, da durchbohrte die Machete seine Brust.

Erstarrt und mit offenem Mund beobachtete Roland, wie der Verdächtige röchelnd zu Boden sackte. Eine Blutlache schwappte unter dem Verdächtigen hervor und breitete sich auf dem Parkplatz aus. Zufrieden wischte Lita ihre Klinge am Mantel des Sterbenden ab.

Die Worte in seinem Hals wogen schwer wie Felsbrocken. »Was haben…Sie können doch…Herrgott!« Er richtete seinen Revolver auf die rothaarige Mörderin.

Lita hob verständnislos die Augenbrauen. »Was?«

Der Revolver zitterte. »Geben Sie mir die Waffe!«

Mit der Machetenspitze klaubte sie eine Kette unter dem blutverschmierten Mantel hervor. Daran hing an einem Metallion das Symbol des Kultes. Dreiecke und Punkte. »Ein Akolyth. Er hat es verdient. Ich geh mich jetzt um die Kleine kümmern. Wenn das mit ihr so weiter geht, müssen wir sie doch noch los werden.«

Was zum Teufel?! Er war verdammt noch mal Roland Banks, dauerhafter Agent des Monats, aber heute Nacht…

Entmachtet kniete er sich zum Toten und starrte ihn an. Vorsichtig schlug er die Kapuze zurück. Es war ein junger Bursche. Roland schloss seine aufgerissenen Augen. Der Junge war vielleicht vom Rechten Weg abgekommen, aber noch hätte es Hoffnung für ihn gegeben, wenn…

Roland schaute in seine Hände. Sie waren verklebt und schmierig. Es sah aus, als hätte er Handschuhe an. Das Blut tropfte vom kleinen Finger. Es gehörte nicht ihm. Was war nur aus ihm geworden?

Wenn der Monsterspuk vorbei war, dann würde das rothaarige Miststück die harte Faust des Gesetztes zu spüren bekommen. Und es würde Rolands Faust sein. Die Faust, die sich wieder mehr und mehr daran gewöhnte Visagen zu entstellen.

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Dein Viktor

 

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