Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

III Speisekammer Leichenschauhaus

 

Hände packten ihr Gesicht. Hatte der Schatten sie erwischt?

Eine Frau sprach mit gedämpfter Stimme, als wäre sie unter Wasser. »Kleine, komm zu dir. Es sind nur Halluzinationen.«

Wendy hörte Geräusche und sah an Lita vorbei. Der Bulle schleifte Jemanden über den Boden. Er öffnete einen Krankenwagen und hievte eine Gestalt mit Umhang hinein.

Sie kannte den Wagen. Für Notfälle war er nie abgeschlossen. Mehr als einmal hatte sie sich darin versteckt, als die Situation zu brenzlig war.

Mit hässlich verzogener Visage kam der Bulle zu ihnen gelaufen. Etwas passte ihm nicht. »Schnell weg hier!« Er hielt ihnen einen Schlüsselbund vor Augen.

Vier Arme zogen sie auf die Beine und schleiften sie zur Tür, aus der die Gestalt gekommen war.

 

Leichenschauhaus. Sie standen vor der Tür im Keller des Hospitals und starrten auf das Schild daran. Dem Burschen hatte Roland Schlüssel abgenommen, die wohl dem Hausmeister des Krankenhauses gehörten.

Wegen der Vorkommnisse der letzten Wochen war Roland hier mittlerweile Stammgast und kannte den Belegschaftsplan in und auswendig. Zwischen den Türschlitzen leuchtete es von Inneren her. Heute war die Schicht von Mrs. Turner.

Bevor Lita etwas Anrichten konnte, griff er die Türklinke. »Ich werde mit ihr sprechen und die Waffen blieben unten.«

Die Rothaarige sah ihn unschuldig an und trat einen Schritt zurück.

Roland öffnete.

Ein strenger Geruch von Reinigungsmitteln gepaart mit der Süße von Verwesung schlug ihnen entgegen. Aus dem Leichenschauhaus drangen Geräusche, die auf Hektik schließen ließen. Roland trat ein. »Mrs. Turner!«

Sie kam aus einem hinteren Teil herangeeilt. »Ich bin gleich soweit.«

Wenigstens dieses eine Mal hätte sich Rolands Instinkt irren könne. Aber er behielt Recht. Wie immer.

Auf dem Obduktionstisch lagen Leichen. Gestapelt und Abholbereit.

Mrs. Turner kam in das Zimmer hineingestürmt und ließ mit einem Schrei das Tablett mit Arztbesteck fallen. »Agent Banks?!« Ihr Blick schweifte von Roland zu den beiden Frauen hinter ihm und landete auf dem Leichenhaufen.

Hastig steckte Mrs. Turner eine Hand in den Kittel und zog eine Pistole hervor.

Lita hob die Machete, doch Roland versperrte ihr mit ausgestrecktem Arm den Weg.

 

Wendy kämpfte mit dem Brechreiz und hielt sich am Türrahmen fest.

Der Bulle trat der verrückten Ärztin entgegen und rede auf sie ein. »Mrs. Turner, nehmen Sie bitte die Waffe runter. Wir wollen nur mit Ihnen reden.«

War der Schatten endlich verschwunden? Wendy sah hinter sich in den Flur des Kellers. Wenn er hier auftauchte, war eine Flucht unmöglich.

Im Notfall musste sie einen ihrer Begleiter opfern. Die Frau Namens Lita? Nein, der Bulle, dieser Wichtigtuer, auf den könnte sie verzichten. Solange dieser Fluch des roten Priesters auf ihr lastete, brauchte sie Lita.

Die Ärztin schluchzte und hielt ihre Waffe stur auf den Bullen. »Ich kann nicht…kann nicht…«

Wie auch anfangs bei Wendy, schwafelte er die gleiche Leier. »Sie sind unschuldig, dass wissen wir. Aber wir brauchen Ihre Hilfe. Sagen Sie uns einfach nur, wo wir die eigentlichen Verbrecher finden können.«

Mit dem Ärmel wischte sich Mrs. Turner Rotz und Tränen aus dem Gesicht. »Ich wollte nicht…glauben Sie mir…aber es ging nicht…meine Familie!«

Der Bulle wagte sich einen weiteren Schritt an sie heran. »Ich kann Ihnen helfen, Sie beschützen.«

Sie schüttelte dermaßen ihren Kopf, dass ihr Haarband aus dem Dutt flog. »Es wird nur schlimmer. Jetzt wollen die mehr. Viel mehr. Was soll ich machen? Ich kann nicht…aber ich bin unschuldig…und die da…« Sie zeigte auf den Leichenberg. »Das sind nur Obdachlose ohne Familie.«

Lita ließ die Machete aufblitzen. »Jetzt reicht es. Meine Methode ist gefragt.«

Energisch drehte sich der Bulle zu Lita um und stellte sich ihr in den Weg. »Nein, habe ich gesagt!«

Keiner achtete auf Wendy. So wie keiner auf diese Obdachlosen je geachtet hatte.

Sie ging an den Streithähnen vorbei, durchquerte den Raum und trat vor die Ärztin. Selbst als sie direkt voreinander standen, achtete Mrs. Turner nur auf den Bullen und Lita. Wendy holte aus.

Die Ohrfeige donnerte durch den Keller und warf die Ärztin fast von den Füßen. Sie musste sich an dem Tisch neben ihr festhalten und die Pistole schien wie vergessen.

Wendy hob abermals die Hand. »Nur Obdachlose?!« Eine zweite Schelle schmetterte Mrs. Turner auf den Fliesenboden. Wendy wollte nachsetzen, doch zwei Arme schlangen sich um sie.

Lita hatte nun freie Bahn. »Meine Methode.«

Der Griff um Wendy löste sich und der Bulle stellte sich schützend über die Ärztin. Da erklangen Schritte aus dem Treppenhaus vom Flur her.

Mrs. Turne krabbelte rückwärts. Kam aber nicht weit und stieß an ein Tischbein. »Der Junge…er hatte ihn angekündigt. Er kommt die Ware holen. Verschwinden Sie! Er wird mich bestrafen! Meine Familie…«

 

Kaum hatte die Bestatterin ausgesprochen, stand Er auch schon in der Tür.

Das Gesicht Lag im Schatten der Kapuze. Ein weiterer umhangtragender Kultist. Für einen Moment herrschte Stille. Mrs. Turner beendete sie.

Die Ärztin sprang auf die Beine, stieß das Gör beiseite und rannte in den hinteren Raum, aus dem sie gekommen war.

Lita schwang die Machete. Der Kultist warf seinen Umhang beiseite und zog eine Pistole. Roland war schneller.

Drei Schüsse fielen, dann der Kultist.

Roland behielt seinen Fokus. »Mrs. Turner!« Er lief ihr hinterher. Zu spät.

Die Bestatterin lag mit ausgestreckten Gliedern am Boden und eine Lache breitete sich auf den Fliesen aus.

Sie war über das Arztbesteck gestolpert, welches sie fallen ließ und hatte sich den Kopf an einer ausgefahrenen Leichenschublade eingeschlagen.

Er fasste sich an die Schläfen. »Scheiße!«

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Dein Viktor

 

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