Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

VI Liebestod

 

Wendy hatte bereits alles durchlebt. Dachte sie. Doch seit der Scheune begann ihr Verstand schneller zu sterben, als ihr Körper.

Sie lehnte an der Wand neben der Bürotür und das Gebrüll des Bullen klingelte in ihren Ohren. Nachdem der Professor zusammenbrach, ging alles schnell an ihr vorbei. Sie hatte aufgehört zu zählen, der wievielte Versuch es heute Nacht war, sie zu töten.

Ihre Aufgabe jetzt war einfach. Sollte jemand das Büro betreten, könnte sie ihm ungesehen in den Rücken schießen. Und viel wichtiger, dass wusste sie, an dieser Position war sie den anderen beiden nicht im Weg.

Lita versperrte den Eingang zum Labor und der Bulle setzte den Professor auf einen Stuhl. Sie fanden nichts brauchbares, um den verrückten Dr. Warren zu fesseln. Daraufhin entschied der Bulle, dass Einschüchterung ausreichen musste.

Eine ordentliche Ohrfeige des Bullen schleuderte den Professor beinahe vom Stuhl. Winselnd kam er zu sich und rieb sich die Wange. Kaum war der Doktor wieder bei Sinnen, brüllte ihn der Bulle mit drohender Faust an.

Es war bei Leibe nicht das erste Verhör bei dem Wendy dabei war und für gewöhnlich war sie die Verdächtige. Aber was der Bulle dort tat, war alles andere, als das übliche Frage-Antwort-Spiel.

 

Polizeiliche Gewalt war keine Lappalie, sondern eine Straftat. Roland verurteilte seine Kollegen für solch ein Verhalten. Doch diesem Hexendoktor auf die Zähne zu schlagen, fühlte sich mehr als Richtig an.

Blut rann dem Doktor aus Mund und Nase. Er hielt sich mit beiden Händen das Gesicht und krümmte sich im Stuhl.

Roland hatte es eilig. »Wo ist der Rest von euch?! Wie viele seid ihr?! Wer ist der Kopf eures Kultes?!«

Erleichtert nahm Dr. Warren das Gesicht aus den Händen. »Dem Verschlinger zum Dank. Ich dachte ihr seid das Strafkommando.«

Was fiel diesem Scheißkerl ein? Roland hob die Faust.

Der Professor richtete seine verbliebenen Haare und versuchte sich Blut aus dem Kinnbart zu streichen. »Ihr solltet euch das gut überlegen. Ich bin denen wichtig. Aber ich will gnädig sein. Ich werde euch ziehen lassen. Noch ein Handgriff und es wird euer Tod…«

Rolands Faust schmetterte ihn vom Stuhl. Winselnd wand sich Dr. Warren wie eine gestrandete Robbe am Boden. Seine Nase war krumm.

Wann war Roland zum Schläger geworden? Wieder. Er musste zu sich zurück finden, zu Bundesagent Banks. Reumütig ausatmend packte er sich den Doktor und hievte ihn auf den Stuhl. Seine Hand streckte er Lita entgegen. »Ein Tuch für den Professor, bitte.«

Die Hexe verdrehte die Augen, aber kam seiner Bitte nach. Roland reichte es dem keuchenden Dr. Warren und versuchte einen anderen Weg. Wissenschaftler sprachen für gewöhnlich am liebsten über ihre Arbeit. »Was tun Sie für die?«

Warren ignorierte das gereichte Tuch und kicherte. »Prägen Sie sich gut ein, wie Ihre hübsche Begleitung ungehäutet aussieht, denn…«

 

Wendy wollte schlafen. Sich einfach in ihr Lieblingsversteck verkriechen und schlafen. Doch es klatschte immer so laut, wenn die Faust auf den Professor eindrosch. Und das Gebrüll, es war grausig.

»Wie viele mussten für Ihre Arbeit sterben?!«

Warren spuckte einen Zahn aus. »Belanglose Opfer. Wir werden die Welt zu einem Paradies machen. Dumm für Sie, sich auf die falsche Seite zu stellen.«

Ein Schlag donnerte in seine Magengrube. Der Doktor musste sich an den Bullen lehnen, um nicht wieder vom Stuhl zu fallen.

Lita zog die Machete. »Das führt doch zu nichts.«

Erhaben richtete sich der Professor in seinem Stuhl auf. »Mein Tod wird euren umso grausamer gestalten. Seht euch doch an. Warum so viel Gewalt und Geschrei, wenn ihr eurer doch so sicher seid.« Er funkelte den Bullen an. »In euch sieht es nicht anders aus, als in dem Mädchen da. Die Pistole in ihrer Hand zittert und verstört blickt sie aus dem Fenster. Ihr seid verzweifelt. Ihr wisst das ihr sterben müsst. Noch heute Nacht.«

Im Hintergrund hörte Wendy den Doktor kichern. Sie sah nach draußen und hörte auf zu Atmen. »Er hat recht.«

Ihre Worte ließen den irren Dr. Warren noch lauter glucksen.

Der Bulle und Lita stritten, was sie mit dem Professor anstellen sollten. Nur Warren hörte Wendy zu. »Er kommt.« In Allerseelen Ruhe spazierte er mit gezückten Messern über den Campus. »Der Jäger, er kommt.«

Die Mine des Doktors fiel wie Treibsand in sich zusammen. Er sah auf seine Armbanduhr.

Lita wollte köpfen, doch der Bulle verbat es ihr. Sie waren kurz davor miteinander zu raufen. Wendy starrte aus dem Fenster. Dr. Warren nutze seine Chance und sprang auf Wendy zu.

Er umklammerte sie und grabschte an ihr. Wendy schrie und wollte die Pistole auf den Irren richten. Da entglitt ihr die Waffe und der Professor löste sich von ihr.

Gekonnt entsicherte Dr. Warren die 41er Darringer und hielt die Truppe mit ihr in Schach. Lita strafte den Bullen mit bösen Blicken. Der Bulle ballte die Fäuste und Wendy kreischte. »Er kommt! Scheiße! Er kommt!«

Wieder schielte Dr. Warren auf die Uhr. »Zweiundzwanzig Uhr im Raritätenladen in der Nordstadt. Retten Sie Ms. Devereaux!« Er setzte die Waffe an seinen Kopf und drückte ab.

Gehirnfetzen spritzen in Wendys Gesicht.

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Dein Viktor

 

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