Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

VII Brauchbar

 

Im Vorlesungssaal war es dunkel. Von hier aus konnten sie durch das Fester auf Dr. Warrens Büro sehen. Roland hatte das Licht angelassen. Sie wollten den Jäger im Auge behalten.

Ohne den Blick von der Scheibe zu nehmen zeigte er zu dem Straßenmädchen. Sie kauerte auf den Hörbänken. »Denk scharf nach. Jedes Wort ist wichtig.«

Er hörte sie mit der Zunge schnalzen. »Wie oft denn noch? Zweiundzwanzig Uhr im Raritätenladen in der Nordstadt. Retten Sie Ms. Devereaux.«

Im Augenwinkel sah er Lita zur Wanduhr blicken. »Einundzwanzig Uhr dreißig. Statten wir der Dame einen Besuch ab.«

»Nein.« Roland musste sie zügeln. Übersetzt meinte sie: ›Schlitzen wir an der Frau herum, bis sie uns alles sagt.‹

Ein Verhör ohne sich in die Augen zu schauen war wie Pizzateig ohne Mehl. Aber er konnte das Büro nicht unbeobachtet lassen. »Lita, wen haben Sie verloren?«

Die Furie fuhr herum. »Was?!«

Vorsichtig schielte er zu ihr. »Der Kult jemanden getötet, der Ihnen nahe stand. Wen?«

 

Und es ging wieder los, der Hahnenkampf. Lita packte an den Griff ihrer Machete. »Was fällt dir ein?!«

Monster, Jäger. Jeden Augenblick könnte sie etwas töten und den beiden Irren fiel nichts besseres ein, als zu streiten.

Unter dem Tischen klebten Kaugummis. Einer war noch recht frisch. Wendy glaubte Erdbeere zu schmecken. Sie machte Blasen, so wie früher, als Mama noch lebte.

Mama hatte ihr immer das klebrige Zeug aus der Nase gezogen, wenn es ungünstig geplatzt war. Wendy provozierte es nun. Eine verklebte Nase war ihr nur recht. Ihr kam das Kotzen, wenn sie sich selber roch.

Mama hätte sie gewaschen, gestreichelt und ihr gesagt, wie lieb sie sie hatte.

Das Gebrüll der Beiden dröhnte in den Ohren. Der Bulle hatte sich vom Fenster abgewandt, um Lita besser anschnauzen zu können. »Und wenn wir schon dabei sind. Dieser Jäger schlachtet offensichtlich jeden ab, von dem die Möglichkeit besteht, dass er geplaudert haben könnte. Dr. Warren zögerte keine Sekunde seinem Zorn zu erliegen. Ist der Jäger der Killer Ihres Verlusts? Was haben Sie mit diesem Kult am Hut?«

Mama verstand es aber auch ihr Angst zu machen. Andere Kinder fürchteten sich vor Knecht Ruprecht oder dem schwarzen Mann. Wendy hingegen hatte Angst vor ihren Freunden.

Jeden Abend vor dem schlafen gehen sagte Mama immer: »An dem Tag an dem deine Freunde zu Feinden werden, werden die Straßen mit Blut überschwemmt sein. Und Umôrdhoths Rache wird die Welt verschlingen.«

Der Streit im Vorlesungssaal stoppte abrupt. Lita und der Bulle sahen sie an. Sie musste den Satz scheinbar laut ausgesprochen haben. Wendy sah zu ihnen und schrie.

 

Kreischend zeigte das Mädchen auf Fenster.

Im Büro des Professors stand eine Gestallt mit Wolfsschädel als Maske. Mit Blut an seinen Fingern beendete er die Zeichnung des Symbols des Kultes an der Fensterscheibe. Über dem Gebäude flatterten die Monster.

Lita zog knurrend die Machete.

Roland packte an ihre Schulter. »Keine Chance. Verschwinden wir!«

Auf Zehenspitzen eilten sie zum Nebenausgang und huschten im Schatten vom Campus.

Die Hexe schubste das Mädchen voran. »Los, zeig wo lang!«

Ihre Verfolger raubten Roland die Motivation die Hexe für ihren Umgang mit dem Mädchen zu tadeln. Ehe er sich versah verschwanden sie in den Schlupfwinkeln von Arkham.

Keine von ihnen kannte den Raritätenladen, doch das Mädchen führte sie zielsicher in die Nordstadt. In einer alten Lagerhalle, die wie eine Jugendherberge von Obdachlosen belagert war, hielten sie an. Das Straßenmädchen streckte Roland die Hand aus. »Gib mir deine Scheine.«

Sie sprach mit einer Gruppe die sich um ein brennendes Fass versammelt hatten und kam zurück.

Nervös sah Roland auf die Armbanduhr. »Und reicht es. Mehr habe ich nicht.«

Das Mädchen winkte hektisch zum Ausgang. »Schnell, bevor dieser Jäger erfährt das wir hier waren. Die hätten es auch ohne Geld gesagt.«

Der Laden war nicht weit. Das Gör führte sie hin.

Oliver Thomas´s Raritätenladen, prangte über der verschlossenen Tür.

Roland holte aus und wollte sie eintreten, aber das Mädchen hielt ihn zurück. »Amateur. Da drinnen brennt Licht.«

Sie schlich um das Haus herum. Lita tippte zu Roland gewandt auf das Handgelenk. Sie hatte recht. Die Tür würde doch dran glauben müssen. Da pfiff das Gör.

Hinter dem Laden wartete das Mädchen auf sie. Mit dem Finger auf den Lippen öffnete sie den Hintereingang.

Die Machete surrte aus dem Gürtelschaft und Lita trat vor. »Und ich dachte, es ist besser, wenn du früh stirbst, Kleine.«

 

Der Bulle zog vor Wendy seinen Revolver. Er tippte auf den kleinen Hebel. »Denk an die Sicherung. Schnell! Bevor sie wieder jemanden tötet.«

Er huschte Lita durch den Hintereingang hinterher.

Wendy hasste sie. Sie beide. Wendy folgte ihnen. Sich selbst hasste sie auch.

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Dein Viktor

 

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