Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

X Werwolf

 

Im leuchtenden Mond sah er sie vorbeihuschen. Aus der Ferne gesehen könnten es Fledermäuse sein, aber Roland wusste es besser. Ohne Wendy als Navigatorin des Schattens hätten die Biester ihn bereits gefressen.

Roland senkte den Blick auf das Sanatorium vor ihnen. Die Gasse in der sie hocken bot Deckung. Die Heilklinik hingegen war von einer offenen Parkanlage umgeben. Unbermerkt dort hinein zu gelangen und dann auch noch diesen Drew zu finden, bevor ein mordsüchtiger Kultist ihnen zuvorkam, war unmöglich. Eigentlich. Aber Roland hatte einen Plan.

 

Es sah immer noch aus, wie in ihren Erinnerungen. Die Nacht des Schreckens hatte sie ausgerechnet hierher geführt. Kurort für Geist und Seele, stand über dem Torbogen geschrieben. Wendy vermisste den anderen Schriftzug. Den, den sie dort damals hinterlassen hatte, wo nun neue Blechbuchstaben im Mondlicht glänzten. Seelenmörder.

Der Polizist zog etwas aus seiner Tasche.

Wendy erkannte es sofort. Denn sie hatte im Raritätenladen eine Schmuggel-Kiste voll davon gesehen. »Bist du wahnsinnig?!«

Er klemmte sich die Dynamitstange unter den Arm und öffnete Beidhändig eine Schachtel Streichhölzer. »Still, sonst werden wir bemerkt. Wir müssen ihn rauslocken.«

Energisch packte sie zwischen die Finger und versuchte ihm die Zündstäbchen zu entreißen. Er zog seine Arme zurück. »Ey, was soll das?!« Sie schlug danach und die Hölzchen flogen ihm aus der Hand. »Bist du jetzt ganz von Sinnen?!«

Sie stellte dich wie ein Fußballer bereit zum Torschuss vor ihm. »Bück dich danach und ich trete dir in die Eier!«

 

Was zur Hölle war in sie gefahren? »Dummes Gör! Denkst du ich will jemanden verletzen? Außerdem, seit wann interessieren dich andere?«

Sie holte zum Tritt aus, da tat sich etwas auf dem Parkgelände.

Ein halbes Dutzend Kapuzenträger marschierte auf das Sanatorium zu. Der Jäger musste Lita entkommen sein und die Information weitergegeben haben.

Wendy schaltete schneller als er. »Los!« Sie ließ sich auf die Knie falle, entzündete ein Streichholz und zündete die Lunte an, die noch unter seinem Arm klemmte.

Die Sprühfunken flogen im hohen Bogen über den Zaun und landeten im Park hinter den Kultisten.

Ein Feuerball erhellte die Stadt. Selbst in der Gasse hämmerte die Druckwelle auf ihre Brust. Auf den Knall folgten Schreie und Erdbrocken regneten herab. Die Kultisten hatten überlebt und räkelten sich auf dem Boden.

Ringsherum erleuchteten Lichter in den Häusern und Köpfe lugten aus den Fenstern. Die Kapuzenträger halfen sich gegenseitig auf die Beine und machen sich schleunigst davon.

Roland ließ sich von dem Trubel nicht ablenken. Konzentriert beobachtete er das Sanatorium. Und tatsächlich. Er hatte recht behalten.

Aus einem Nebeneingang blickte Jemand vorsichtig hinaus und lief los. Es gab nur einen schattigen Fluchtweg. Roland wusste wohin er führte und verschwand in der Gasse.

 

Wendy hechelte dem Polizisten in die Seitenstraße hinterher. Sie stießen an eine Gabelung und schon vor der Kreuzung holte er mit der Faust aus. Aus der Abbiegung kam eine Gestalt geflitzt und der Bulle schlug zu.

Die Gestalt schmetterte zu Boden und sogleich, wie ein Raubtier, auf die Füße. Es knurrte und fletschte die Zähne.

Wendy hielt Abstand. Sie wusste was für geisteskranke Monster das Sanatorium erschuf. Auch der Polizist wich vor dem Verrückten zurück.

Tollwütig riss der Wahnsinnige den Mantel von sich und entblößte seinen nackten Körper. Zischend ging er tief in die Knie und krümmte sich kampfbereit. Es war wie im Film Der Werwolf. Bedrohlich senkte er seinen Kopf und fächerte die mit Krallen besetzten Finger auf. »Ich werde euch fressen!«

 

Der Mann, oder das Biest, warf sich auf ihn. Roland wich aus und konterte mit seiner Rechten. Benommen torkelte der Wolfsmensch zur Seite.

Besänftigend öffnete er seine Fäuste und hielt ihm die Handflächen entgegen. »Wir sind nicht…«

Aus dem Schatten schnellte eine Pranke auf ihn zu. Roland duckte sich drunter her und wahrte Distanz. »Drew, hören Sie…«

Wie eine Furie warf sich der Wolfsmensch auf ihn und versuchte ihm das Gesicht zu zerkratzen. Roland wich der Angriffskette aus, bis er mit dem Rücken an eine Hauswand stieß. Ein kurzer Moment der Verwirrung und die Kreatur kämpften sich durch seine Deckung hindurch. Zähne packten seinen Hals.

Bevor der Irre zubeißen konnte, ließ er ab und sank winselnd nieder. Breitbeinig stand Wendy über Drew, der sich krampfend zwischen die Beine packte.

Roland kniete sich zum Entmannten. »Wir sind nicht der Feind. Kommen Sie…« Er half ihm hoch. Doch der Wolf sprang torkelnd zurück. Eine Pranke hob er angriffsbereit, die andere schütze sein Gemächt.

Wandy wollte nachsetzen, aber Roland packte sie an der Schulter. »Drew, wir konnten sie nicht retten. Sie haben Ms. Devereux erwischt.«

Das Zischen verstummte. Der Wolf sackte in sich zusammen.

Roland hatte ins Schwarze getroffen.

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Dein Viktor

 

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