Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

XI Verrat

 

»Wie ist Vicky gestorben?« Der Wolfsmensch fletschte die Zähne. »Wen muss ich fressen?!«

Roland half ihm auf die Beine. »Der Jäger.«

Das Fletschen erstarb. »Dann wird es kein Rachemahl geben.«

Die Stimmung in der Seitengasse wechselte von der einer Arena zu der eines Friedhofs.

Diesen Gesichtsausdruck kannte Roland gut. Selbst Informanten die keine Werwölfe waren, blickten wie geschlagene Hunde drein. Verhörmeister mochten dieses Gesicht und Roland war einer. »Wer ist er?«

Drew, der Kanibale, sah ihn mit offenem Mund an. Sein Blick schwenkte zu Wendy, die Schmiere stand und wieder zum Fragensteller zurück. »Sie haben ihn gesehen? Aber sie leben...Verlassen sie die Stadt. Sofort! Jede potentielle Gefahr für den Kult wird restlos eliminiert. Es reicht ein Hauch von Verrat und der Jäger hat freie Hand.«

Also gut. Der Jäger ist ein Fährtenleser. Er musste nicht gesucht werden. Warten genügte. Aber der Kult war der Strippenzieher von Arkham und der Jäger nur eine von vielen Figuren. »Was war ihr Verrat?«

Ein animalischer Schrei schreckte die Gasse auf. »Verrat?!«

 

Gott! So können wir uns auch direkt mitten auf die Hauptstraße stellen. Wendy schielte um die Ecke der Kreuzung und stellte sich auf Flucht ein.

Doch im flackernden Blaulicht, das sich auf die Hauswände warf, taten sich keine Silhouetten auf. Das lodernde Sanatorium war wie eine Fliegenfalle für Menschen.

In ihrem Rücken bellte der Wolf. »Wenn Jemand verraten wurde, dann ich!«

Der Polizist versank in seinem Element. »Wie meinen Sie das?«

Genug der Fragerei, wäre es Wendy beinahe entglitten. Es brannte in ihrem Herzen und sie erhoffte sich Löschwasser vom Wolf, doch sie musste Ausschau halten. Gänsehaut auf dem Unterarm verriet, dass der Schatten in der Nähe war.

 

Innerlich hörte Roland die Stimme seines Ziehvaters und spürte ein Klopfen auf seiner Schulter. ›Die richtige Frage zur rechten Zeit.‹

Aus dem Wolfsmaul sprudelte es. »Sie kamen zu mir, in meine Zelle im Sanatorium. Sie erklären, mein Verlangen nach Menschenfleisch sei alles andere als unnatürlich. Es wäre die reinste Form der Menschlichkeit. Endlich verstand mich Jemand. Sie befreiten mich und nahm mich auf. Dort traf ich auf Vicky...süße Victoria...sie fand Gefallen an mir und wir verliebten uns. Deswegen sagte sie es mir...«

Roland hasste dramaturgische Pausen. »Was?«

Die Augen des Kannibalen verzogen sich zu schlitzen. »Jemand hat den Kult verraten, aber nicht ich. Mich haben sie nur als Sündenbock geholt. Der Verräter offenbarte das Leichenversteck im Wald und die Polizei begann zu schnüffeln. Ohne Futter waren die Ghule nicht mehr zu bändigen und da fingen an Menschen zu verschwinden. Die Sache wurde zu heiß, also musste sie von sich ablenken. Die haben mich nur befreit, damit die Zeitung titeln konnte: Spektakuläre Flucht des Kannibalen aus dem Sanatorium. Aber Victoria konnte das nicht mehr ertragen und sagte mir...sie hat mich...und ich sie...«

Von wegen Liebe. Die versnoppte Irre wollte mit ihr wildes Sexspielzeug nicht verlieren. Aber das behielt Roland für sich.

 

Während die beiden sprachen hatte Wendy Zeit gehabt, Mut anzusammeln. Jetzt...jetzt ist ein guter Moment dafür...jetzt werde ich...oh, konzentrier dich, du musst schmiere stehen...ja, das ist wichtig...Jemand könnte uns entdecken...und der Schatten...ich muss Ausschau halten...das ist wichtig...

Das Geschwätz der beiden verschaffte ihr mehr Zeit zum Sammeln.

 

Innerlich hörte Roland bereits die Handschellen einrasten, aber es fehlten noch die zu fesselnden Hände. »Der Kult hat diese Nacht etwas vor. Helfen Sie uns und wir helfen Ihnen. Was wollen die und warum heute?«

Der Wolfsmensch zuckte mit den Achseln. »Da müssen Sie Collins fragen.«

»Wer ist Collins?«

Drew der Kannibale zischte. »Den wollte ich essen...aber der Alte ist zäh. Er ist der Einzige den ich ohne Maske und mit Namen kenne. Vicky hatte mich am letzten Vollmond zu ihm gebracht. Der Totengräber hob gerade beim Friedhof am Wald ein Grab aus, als wir ihn überraschten. Mich als Sündenbock zu benutzen war seine Idee. Es war riskant von Vicky mir das zu verraten, aber unsere Liebe ist...war...stärker als die Angst vor dem Jäger...«

»Sie haben Collins also nicht gegessen, richtig?«

Der Wolf knurrte. »Der weiß mit seinem Spaten umzugehen. Schwingt ihn wie eine Sense. Ich wollte mich anschleichen, ihn überfallen, aber Vicky wollte nicht auf mich hören. ›Der Spitzel soll wissen wer ihn erledigt hat.‹ Es war ein Fehler, aber wie konnte ich es meiner süßen Blume verwehren?«

Wohl eher hatte Ms. Devereux Gefallen daran den Menschenfresser und den Leichenscharrer bei Silbermond kämpfen zu sehen. Auch das behielt Roland für sich.

Er fasste aus Routine an seine Brusttasche, aber da fand er nichts. Anstatt in seinem Notizheft, musste Roland die Hinweise in Gedanken festhalten.

Dass der Totengräber zum Kult gehörte erklärte einiges. So stellten sie die Versorgung der Ghule sicher.

Jetzt, da Roland hatte was er wollte, musste er sich um seinen Zeugen kümmern. Eher gesagt, um den Strafflüchtigen. Er fasste zu seinem Revolver.

Drews Augen folgten Rolands Hand. »Sparen Sie sich das. Wenn da wieder Ruhe ist, gehe ich zurück. Im Sanatorium bin ich immer noch in Behandlung. Inoffiziell versteht sich. Menschen zu essen hat mir nichts als Scherereien eingebracht. Der Doktor hilft mir.«

Die Finger am Revolver kribbelten. »Ich werde es Prüfen, Drew. Tag für Tag. Wenn Sie wieder ausbrechen, dann sollten Sie mich mehr als diesen Jäger fürchten«

Roland nahm seine Hand von der Waffe. »Wendy, komm. Wir müssen weiter.«

Er wand sich vom Wolfmensch ab. Wendy aber ging auf ihn zu.

Was zum...zittert sie...was hat sie vor?

 

Wendy würgte die Worte hervor. Sie waren wie Galle in ihrem Hals. »Wie...wie...Marther?«

Der Werwolf zuckte mit den Achseln. »Ich kenne nicht alle meine Mahlzeiten beim Namen.«

»Adams...Martha Adams...wie geht es ihr?«

Da lächelte der Kannibale. »Oh, die wahnsinnige Mrs. Adams. Sie macht mir Konkurrenz, die Gute. Wenn sie die Anstalt nicht zusammenschreit, dann beißt sie eifrig die Pfleger.«

 

Roland hatte verstanden.

Sein Zeuge war gut vernetzt. Da fiel ihm eine weitere Frage ein. »Drew, was können Sie mir über eine gewisse Lita Chantler sagen?«

Der Kannibale sah ihn mit großen Augen an. »Lita Chantler...die Lita Chantler?«

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Dein Viktor

 

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