T.I.M.E. Stories

Die Nervenheilanstalt

© SPACE Cowboys

Versuchsreihe I

 

Olivia 1. Einsatz

 

»Frank und Timothy, nicht wahr?«

Abrupt blieben die beiden Wärter vor ihr stehen.

Olivia saß auf dem Bett ihres Zimmers. Eine konfortable Arestzelle, wenn man es so nennen möchte. Ihre Beine hatte sie überschlagen und mit den Armen stützte sie sich auf der Matratze ab. So dass ihr Oberkörper leicht nach hinten geneigt war. Die weniger üppige Oberweite kam dadurch mehr zur Geltung.

Hinter einer der Masken der Wärter erklang eine verwirrte Stimme. »Woher wissen Sie unsere Namen?«

Olivia legte einen Finger auf die Lippen. »Psst. Schon vergessen? Sie dürfen nicht mit mir sprechen. Aber zuhören dürfen Sie, meine Herren.«

Energisch trat der Regelbrecher auf sie zu. Er deutete an sie zu packen.

Keck lächelte Olivia ihn an. »Aber, aber, Frank. Sie wollen mir doch nicht weh tun. Warum sollte ich Ihnen dann noch einen Termin bei Dr. Bertholds verschaffen?«

Frank erstarrte.

Künstlich geschockt sah sie ihn an. »Ihr Arbeitgeber weiß es nicht?«

Der zweite Wärter trat an seinen Kollegen und griff an seine Schulter. »Verdammt, Frank. Was soll das? Scheiß drauf, ob die unsere Namen kennt. Wir nehmen sie mit und gut ist.«

Jetzt war Timothy dran. »Sie wollen sicher schnell Ihre Arbeit erledigen und dann wieder zu Ihrer Frau nach Hause kommen, Timothy. Vermissen Sie sie so sehr oder wollen Sie prüfen, ob sie nicht doch betrogen werden? An Ihrer Stelle würde ich mich auch beeilen wollen.«

Timothy zog die Hand von der Schulter seiner Kollegen zurück.

Triumphierend grinste Olivia. Genüsslich beugte sie sich vor und legte die Hände auf die überschlagenen Knie. »Meine Herren, nun seien Sie nicht so überrascht. Nur einem Blinden entgehen Ihre kleinen Problemchen. Frank, Ihre Hände zittern verdächtig unrhythmisch. Und Timothy, Sie sollten Ihre Uniform besser zuknöpfen. Sie tragen gerne Hemden darunter, was ich nicht nachvollziehen kann, aber sei´s drum. Im Durchschnitt sind die Hemden jeden zweiten Tag nicht gebügelt. An diesen Tagen ist Ihre Frustrationstoleranz deutlich niedriger.«

Die Masken der Wärter starrten sie an.

Olivia drehte ihren Kopf seitlich und grinste sie frech an. »Meine Herren, ich schlage vor, wir arbeiten zusammen. Sie sind nett zu mir und ich helfe Ihnen bei Ihren unangenehmen Arrangements.«

Fragend streifte sie mit den Fingern über ihr Kinn. »Aber wie soll ich das machen, wenn ich hier eingesperrt bin? Ha, ich weiß. Mit Magie. Einiges werden Sie gar nicht bemerken. Für anderes werden Sie kleine Erledigungen machen dürfen. Aber ich verspreche Ihnen, das Ergebnis, es wird magisch sein.«

Sie streckte ihnen die Hände entgegen, wie ein kleines Mädchen dem aufgeholfen werden möchte.

Die Wärter überlegten einige Sekunden und halfen ihr sanft auf die Beine.

Olivia strich ihnen zärtlich an der Wange über die Masken. »Brav. Ich wusste, Sie sind zwei anständige Männer. Nun bringen wir diese grässliche Folter hinter uns und dann kümmere ich mich darum, dass Ihnen Ihr Arbeitsplatz weiterhin gesichert ist, Frank. Und dass Ihre Frau, Timothy, im Falle einer Scheidung nicht das Sorgerecht für ihren süßen Billy erhält. Auf, auf.«

Behutsam legten sie ihr die Handschellen um und führten sie auf den Flur. Kaum hatten sie ihn betreten, erstarrten die Wärter.

Entnervt schnalzte Olivia mit der Zunge. »Was ist mit Ihnen? Hat sie jetzt doch der Mut verlassen? Hopp, hopp. Eine Dame lässt man nicht warten.«

Im Augenwinkel sah sie drei Männer um die Ecke biegen. Bevor sie hinschauen konnte, polterte einer von ihnen los. »Was soll der Scheiß?«

Plötzlich brannte ihr ganzer Körper und sie schrie.

Krampfhaft stürzte sie zu Boden, als hätte sie ein Blitz getroffen. Sie zitterte und jeder Muskel drohte zu zerplatzen.

Vier Hände packten sie und halfen ihr hoch. Frank und Timothy wären in einem anderen Leben gute Dressierhunde gewesen.

War das ihr scheiß ernst?! Handschellen mit Elektroschocker? Oh, wenn sie die los würde, dann rollten Köpfe. Und der vom Asiaten, der sie frech anglotzte, der rollte als erster.

Die gestressten Wärter des Asiaten schubsten die fröhliche Versammlung voran. Auf dem Weg in die Kommandozentrale gesellten sich zwei weitere orange Overalls und eine schar an maskierten Sicherheitskräften hinzu.

Olivia hatte dem Supervisor gut zugehört. Sie wusste, was auf sie zukam. Was offensichtlich nicht auf alle anderen Strafgefangenen zutraf.

In der Basis stifteten die Tölpel Unruhe, was Olivia ausnutzte und auf den Asiaten zutrat. »Pisser wie dich, zerquetsche ich mit dem kleinen Finger. Noch ein Schock und ich reiß dir den Arsch auf!«

Es war nicht ihr üblich Jargon, aber die möchtegern Gangster verbuchten mit dieser Ausdrucksweise ein Plus na Respekt.

Der Asiate aber grinste sie an, als hätte sie ihm eine Freundschaftsanfrage gestellt. Was für eine Freakshow.

Die Gefangenen stiegen in die Kapseln und im Inneren wiederholte ein blaues Frauengesicht Informationen, die sie schon zehnmal gehört hatte. Aber für die anderen drei Schwachhirne, konnte es sicherlich nicht oft genug wiederholt werden.

Die Kapsel fuhr in die Waagerechte, aktivierte sich und…Schwarz.

 

Immer noch liegend kehrte das Licht zurück. Olivia wachte in einer Krankenstation auf. In einer hässlichen. Abgesehen davon, dass es sie Jahrhunderte zurückgeworfen hatte, war der raum kläglicher als ihre Arrestzelle auf der Raumstation.

Ein Mann in einem Kittel lehnte an einen Arzneischrank und gab einer Krankenschwerster Anweisungen, die auf der Bettkannte eines Patienten saß. Olivia sah sich weiter um.

Informationen. Sie brauchte mehr davon.

Eine weitere Krankenschwester stand im raum und beobachtete grimmig die am Bett sitzende.

Der Arzt machte eine Handbewegung in Richtung Tür. »Danke.«

Die Krankenschwester stand auf und verließ den Raum. Die Grimmige blieb. Offensichtlich hatte sie noch etwas zu sagen.

Aber der Doktor kam ihr zuvor. »Schwester Josephine, Sie werden doch sicherlich auch noch bei den anderen Patienten gebraucht.«

Josephine sah zu Olivia hinüber und atmete schwer aus. Olivia war sich nicht sicher, ob sie Ärger oder Trauer in dem Blick erkannte. Doch sie gehorchte und ging.

»So.« Der Arzt lächelte Olivia zu. Sein Schnauzbart bewegte sich dabei wie ein glibschiger Wurm. »Du bist also wach.« Er griff hinter sich in den Schrank und holte ein abgefranstes Stofftier hervor. Olivia erkannte nicht einmal mehr, was für ein Tier es darstellte.

Fröhlich winkte er mit dem Stofffetzen. »Ich habe hier etwas für dich.«

Olivia öffnete den Mund. Doch statt Wörter kamen nur Grunzgeräusche aus ihr heraus. »Grrrr!«

Was zur Hölle war mit ihr? Eine Stimme bellte in ihrem Kopf. »Ich will nicht spielen. Ich habe Hunger!«

Behutsam trat der Doktor an ihr Bett heran. »Du bist noch so jung und so klein. Eigentlich nicht meine Art, aber wir werden trotzdem spaß haben. Nicht wahr?«

Geschockt sah Olivia an sich herunter. Fuck! Sie war im Körper eines Kindes.

Der Arzt legte das Kuscheltier, oder eher gesagt das Ekeltier, neben ihr aufs Bett. Er streifte ihr mit einer Hand durch ihren Zopf. »Du hast so schönes Haar. Hatte die letzte auch, aber ich musste es ihr ausreißen. Sie wertschätzte unseren Spaß nicht. Aber du, du schon. Nicht wahr? Es wäre eine Schande um deine hübschen Zöpfe.«

Die Kinderhände packten den Arm des Doktors. Ehe Olivia einen Gedanken fassen konnte, biss sie hinein.

Ihre Zähne packten mit voller Kraft zu und gruben sich ins Fleisch. Aus der Schlagader spritzte es ihr ins Auge und der Arzt schrie.

Paralysiert sah er dabei zu, wie sich das Kind durch seinen Arm fraß.

Fleisch! Mehr Fleisch! Sie sprang auf und rammte ihre Schneidezähne in den Hals des kreischenden Doktors.

Schwarz.

 

Die Kapsel öffnete sich und vor Olivia stand der Offizier in schwarzer Uniform. Müde rieb er sich die Stirn und winkte zwei Wärter herbei.

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Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

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