T.I.M.E. Stories

Die Nervenheilanstalt

© SPACE Cowboys

Versuchsreihe I

 

Olivia 1. Sitzung

 

»Was ist Ihr Preis, Doktor? Jeder hat einen, auch Sie.«

Petrow hatte beabsichtigt, jede Warnung, die Olivia Brown anging, zu ignorieren. Aber dass sollte er vielleicht überdenken. »Für was, Ihrer Meinung nach, sollte ich einen Preis verlangen wollen? «

Gespannt auf ihre Antwort beugte er sich vor. Seine Nase kam in Reichweite ihres Mundgeruchs. Für eine Frau Mitte zwanzig und ihrem Stand, spielte Körperhygiene für sie eine ungewöhnlich geringe Rolle. Die Fingernägel waren lang und dreckig. Die Haare fettig und ihre Haut war fahl und blass. Doch erregte etwas ganz anderes die Aufmerksamkeit ihres Gesprächspartners.

Ms. Browns lagunenblauen Augen durchdrangen ihn. »Für eine echte Studie.«

Das Leder von Petrows Sessel knarzte gedehnt, als er sich langsam zurücklehnte. »Wie meinen Sie das?«

Seine Patientin saß hellwach und mit absoluter Aufmerksamkeit auf ihrem unbequemen Stuhl. »Angenommen Sie und Ihre Kollegen lügen nicht. Dann könnte ihre Studie genauso gut den Titel tragen ›Die teuerste und aufwendigste Methode die Todesstrafe zu vollstrecken‹

Der Sessel knarzte. Ihr Blick bohrte.

Sie lächelte freundlich. Und doch fühlte sich Petrow in einem Hinterhalt.

Ms. Browns Augen blieben trotz Lippenbewegung starr. »Warum sollten Sie sich zur ›Stabilität des Geistes im T.I. Einsatz‹ Strafgefangene als Probanden aussuchen? Sie wollen doch bessere Umstände, nicht wahr, Doktor?«

Petrow spielte kein Poker, aber er wünschte sich jetzt die Fähigkeiten eines Spielers. Natürlich hatte er ausgebildete T.I.M.E. Agents für die Studie gewollt. Er durfte jetzt nicht schwach wirken.

Mit überheblicher Mine beugte er sich erneut vor und verschränkte seine Arme über dem Schreibtisch. »Und Sie können so etwas veranlassen, Ms. Brown? Hier, in Ihrer Lage?«

Ms. Brown grinste. »Doktor, Sie wissen doch sicherlich, wie ich im Gefängnis genannt werde.«

Petrow hob eine Augenbraue. »Kiosk.«

Dass er es wusste, ließ ihre Nase einen Zentimeter in die Höhe steigen. »Wissen Sie auch wieso, Doktor?«

Das waren genug Machtspiele für diese Sitzung. Petrow rollte den Teppich der Tatsachen aus. »Ich kann es mir denken, aber ehrlich gesagt, interessiert es mich nicht. Sie haben zu viele Spitznamen, um über alle zu sprechen. Für einen interessiere ich mich allerdings doch. Kanaille. Um einen der harmloseren zu nennen.«

Seine Patientin war eine bessere Pokerspielerin, als er. Sie holte mit der Zunge etwas zwischen den Zähnen hervor und kaute darauf. »Sprechen wir nicht über Namen. Sprechen wir über Preise.«

Es war Zeit sein Spiel zu spielen und nicht ihres. »War Ihnen die FBI Arbeit zu langweilig?«

Die blauen Augen verengten sich. »Vielleicht. Ergeht es Ihnen hier denn anders? Wie ist es so, unterhalb seiner Fähigkeiten arbeiten zu müssen?«

»Hmm…« Petrow tippte mit dem Stift auf den Notizblock. »Ich glaube nicht, Ms. Brown, dass es Ihnen an spannenden Einsätzen gemangelt hat. Wie viele Verbrecher haben sie in den Gassen für Ihre eigenen Zwecke unterworfen, um sich das Minenspiel der Opferrolle anzueignen?«

In den Lagunenaugen starb ein Korallenriff.

Petrow musste aufpassen. Mutete er ihr zu viel Kontrollverlust zu, verlor er sie. »Sie haben Recht. Reden wir nicht weiter über Rufnamen. Sprechen wir über Ihren Appetit.«

Sie biss sich auf die Unterlippe. »Sie haben mich krank gemacht, Dr. Petrow. Wenn das die Öffentlichkeit erfährt, dann wäre es sicherlich nicht zu Ihrem Vorteil.«

Beinahe huschte ihm ein Lächeln über die Lippen. Petrow hatte mit Erpressung gerechnet. Das wäre eine neue Erfahrung für ihn und er hatte sorge dem Druck zu unterliegen. Aber die Anschuldigung seine Patienten krank zu machen, war für ihn Alltag.

Sollte Ms. Brown ruhig glauben, sie hätte ein Druckmittel in der Hand. Petrow ignorierte ihren Einwurf. »Wie geht es Ihnen und wie fühlen Sie sich dabei?«

Ms. Brown kaute auf der Zunge. Hatte er ihren Appetit geweckt?

Sie befreite ihre blutende Zunge von den Eckzähnen. »Ich glaube, Sie haben mich nicht verstanden.«

Petrow nickte wohlwollend. »Doch, doch. Aber wir sitzen wegen Ihrer Gesundheit hier. Wie schmeckte Ihnen der Salat heute Morgen?«

Der Blick der ehemaligen FBI Agentin starrten ihn an, als ermittelten sie. »Die Fleischlobby? Unmöglich. Nicht ihr Stil.«

Petrow verdrehte die Augen. »Nein, ich arbeite nicht im Auftrag der Fleischlobby. Versuchen wir es anders. Bekommen Sie Appetit, wenn Sie in Gesellschaft sind? Und ich wiederhole. In dieser Sitzung geht es um Ihre Gesundheit.«

Es war wie ein vorprogrammiertes Schema mit drei Phasen. Umgarnen, Einschüchtern, Konfrontation. Ms. Brown erreichte Phase drei. »Was wollen Sie von mir, Doktor?«

Er lehnte sich mit den Unterarmen auf den Tisch und lehnte sich vor. »Mich interessiert es, wie es einer Vegetarierin geht, wenn sie Heißhunger auf Menschenfleisch hat. Ich bin danach bestrebt Ihnen zu helfen und das Fremde wieder aus Ihrem Gehirn zu löschen.

Das ist Kern der Studie. Die Schädigung der Einsatzkräfte durch die Rückkopplung der Gehirnaktivitäten mit den Wirten zu minimieren oder gänzlich rückgängig zu machen.«

Ms. Brown sah ihn mit erhobenen Augenbrauen an. »Und wenn die Studie keinen Erfolg hat? Was passiert dann mit den Probanden, den Versuchskaninchen, den Laborratten, mit uns? Bekommen wir dann auch ein Schild ans Ohr, werden konserviert und in einer Schublade aufbewahrt, Dr. Petrow?«

Er ließ sich zurück in seinen Sessel fallen. »Nein. Dann kommen Sie dahin wo ich herkomme. Zur verschwiegenen Psychiatrie für geistesgestörte T.I.M.E. Agents.«

Petrow hatte seinen Karten offengelegt. Nun war sie an der Reihe. »Ms. Brown, lassen Sie uns diesen Ausgang verhindern und arbeiten zusammen. Wie kam es zum ersten Biss?«

 

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Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

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