T.I.M.E. Stories

Die Nervenheilanstalt

© SPACE Cowboys

Versuchsreihe I

 

Ruth 1. Einsatz

 

Kerzengerade wartete sie auf dem Bett und wartete. Neben ihr lag das Einsatzhandbuch für die Nutzung des T.I. Ruth hatte sie dreimal durchgelesen. Was auch immer diese Studie für sie war, Versagen stand außer Frage.

Vielleicht war es eine Chance aus dem Gefängnis zu kommen oder zumindest durch solche Missionen mehr Freigang zu erhalten. Wie auch immer, es war eine Verbesserung. Ein Schritt zurück zu ihrem alten Leben.

Die Tür öffnete sich und zwei Wärter holten sie ab. Sie waren nicht zimperlich, was Ruth gefiel. Im Knast behandelten sie Frauen immer noch mit Samthandschuhen. Hier machte die Verachtung, der verhüllten Wärter, keinen Halt vor das weibliche Geschlecht. Wenn Ruth Glück hatte, blieb sie länger hier.

Im ewigen Flur, der einmal rings durch die gesamte Raumstation führte, traf sie auf ihre drei Teamkollegen. Eine raue Bande. Jeder der vier Strafgefangenen nahm eine Position eines T.I.M.E. Agents in einem Standartteam ein.

Ruth selbst nahm die Rolle der Agentin für Informationsbeschaffung ein. Logisch, als ehemalige Spionin. Der Kampfspezialist war schnell ausgemacht. Ein Mann, der ihr Großvater sein könnte, hatte eine Eskorte von vier statt zwei Wärtern. Sein Blick ließ ihr Rückenmark kribbeln und die fehlende Nase verstärkte den Schauer ungemein.

Stolz trat der Alte voran. Die Wärter hatten mühe Schritt zu halten und sie marschierten nicht ganz so nah neben ihm, wie bei den übrigen Dreien. Ruth stufte ihn als fähigen Kollegen ein. Was sie allerdings von den anderen Beiden halten sollte wusste sie noch nicht.

Welche Position der junge Asiate und die hochnäsige Frau inne hatten war schwer einzuschätzen. Übrig waren noch Ingenieur und Ermittler. Aber Schätzen war keine zuverlässige Informationsbeschaffung.

Die Frau war schwer zu lesen. Der Asiate hingegen war ein offenes Buch. Eher ein Hörbuch, zum Leidwesen aller.

Vollkommen unnötig blaffte er die Wärter an. »Fass mich nicht an, Wixer!« Das war Ruths erste Begegnung mit dem kollektiv Stromschocker.

Innerlich notierte sie sich zum Asiaten: Unfähig. Gefügig machen oder Entsorgen.

Auf dem Weg zur Basis folgten weitere Schocks. Ruth unterstrich Entsorgen.

Einsatzleiter Bob wartete auf sie. Das war die Person gegenüber der Ruth sich beweisen musste. Sie nickte ihm motiviert zu. Ihr Gruß ging ins Leere. Ein verachtender Blick wäre ihr lieber gewesen.

Sie stiegen in die Kapseln ein. Für Ruth fühlte es sich an, wie das Krematorium der Wiedergutmachung. Freudig erwartete sie das reinigende Feuer. Das war die Gelegenheit, allen zu zeigen, welchen Wert sie hatte. Wenn sie ihre Ergebnisse sahen, dann war es zu Ende mit den Handschellen und orangenen Overalls.

Einer der gesichtslosen Wärter drückte auf den Knopf, um die Kapsel zu schließen. Der Zweite beugte sich zu ihr, kurz bevor die Klappe einrastete. »Versuch dieses Mal kein Untergrundnetzwerk zu gründen, Miststück.«

Wie einfach das Leben unter einer Maske doch war. Wenn Ruth sein Gesicht in Erfahrung brachte, würde sie genüsslich und Stück für Stück sein Leben vernichten. Ein vorzeitig pensionierter Gefängniswärter, der in ihrer Gegenwart arbeitete, mehr oder weniger spielte mittlerweile auch keine Rolle mehr.

Auf dem Monitor im inneren der Kapsel erschien ein Frauengesicht und begrüßte Ruth. »Sie werden in eine Spiegeldimension ins Jahr 1921 reisen. Ihr Ziel ist ein Ort, der zu der Epoche Nervenheilanstalt genannt wurde. Es liegen nur wenige zuverlässige Informationen vor, was dort vor sich geht. Aber wir wissen mit Sicherheit, dass dort die Gefahr eines Risses im Dimensionskontinuum auftreten kann. Ihre Mission ist, dies zu verhindern.«

Ruth grinste. Sie bebte vor Aufregung. Lichter blinkten um sie herum und ein ohrenbetäubendes Wummern schoss sie in die Ohnmächtigkeit.

 

Verschlafen verließ sie das Land der Träume. Hatte sie den Einsatz verpennt? Unmöglich. Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein!

Dumpf hörte sie eine Frauenstimme rufen. »Ich komme!« Die Dame war im selben Raum wie Ruth und sprach leise zu ihr. »Nur nicht aufwachen, Marie. Ich bin gleich zurück.«

Schritte entfernten sich aus dem Zimmer. Ruth wachte auf. Aber sie war nicht allein.

Grunzend wälzte sich ein Mann im Bett umher. »Sie werden mich umbringen!«

Benommen setzte sich Ruth auf. Sie war in einem großen Raum voller Betten. Brünette Locken mit einem Rotstich schlangen sich um Wangen und Schultern. Statt des Overalls trug sie ein Kleid. Beruhigt stellte sie fest, dass sie in dem Wirt angekommen war. Das war gut. Alles lief nach Plan. Jetzt musste sie nur noch den Aufenthaltsraum finden, wo sie sich mit ihrem Team treffen sollte.

»Ich will nicht sterben!« Der Mann nahm keine Notiz von Ruth und schrie quer durch die Anstalt. Er war an sein Bett gefesselt. »Ich habe nichts getan!«

Ruth nahm ihr Kissen. Der Verrückte könnte sie noch in Schwierigkeiten bringen. Sie ging zu ihm. Ihre Schritte waren federleicht, als bewegten sie sich von allein.

Mit dem Kissen in der Hand stand sie vor dem Gefesselten. Erschreckt sah er sie an. »Ich bin nicht verrückt!«

Doch, korrigierte Ruth ihn in Gedanken. Der Stofffetzen reichte, um die Störung zu ersticken. Aber ihr Arm ließ sich nicht bewegen.

Ein anderer Wille dominierte den Körper. Ein Fremder. Jetzt verstand sie die Leichtigkeit ihres Gangs. Die Wirtin hatte ebenfalls vorgehabt zu diesem Mann von einem Bären zu gehen. Aber nun gingen ihre Interessen verschiedene Wege.

Ruth versuchte dem Arm ihren Willen aufzuzwingen, doch sie verlor das mentale Tauziehen sobald sie das Seil umklammerte.

Das Kissen fiel zu Boden. Der Gefesselte flehte sie an. »Bitte befrei mich. Es wird niemand erfahren. Bitte!«

Ruths Wirt beugte sich vor und legte ihm einen Finger auf die Lippen. »Psst.«

Die Berührung erfüllte den Mann mit Unbehagen, doch in der verzerrten Realität ihres Wirts sah das anders aus. Statt mit aufkeimender Angst, sah sie der Gefesselte mit lustvollen Blicken an. Auf der Bettdecke glaubte ihr falsches Ich eine Wölbung vom anschwellenden Penis zu sehen.

Die Gedanken des Wirts waren laut und übertönten Ruths Hilferufe. ›Wenn er sich so um mich reißt, dann will ich ihm geben wonach ihm gelüstet.‹

Der gefesselte Bär versuchte zur von ihr abgewendeten Bettkante zu robben. Seine Mundwinker verrieten Angst.

Der Wirt freute sich über den Platz, den er für sie auf der Matratze machte. Sie öffnete ihr Kleid und ließ es an ihrem Körper zu Boden gleiten. Gleiches folgte mit ihrer Unterwäsche.

Ruth konnte nun nichts mehr ausrichten.

Im Wahn ihres Wirts konnte der Mann nicht an sich halten und versuchte die Ketten zu sprengen, um sie in sein Bett zu zerren. In Wirklichkeit schrie er um sein Leben. »Du bist es! Das nackte Mädchen! Ihr habt mich hergebracht, ihr Monster!«

So einfach wollte ihr Wirt es dem Lustmolch nicht machen. Langsam fuhr sie mit den Händen über ihre Kurven. Sie imitierte möglichst erotisch das geschmeidige Knurren einer Katze und bewegte sich ebenso anmutig, während sie sich an sich selbst rieb.

Einen Fuß stemmte sie auf die Bettkannte und zeigte dem Bär demonstrativ was ihn gleich erwarten würde. Mit einer Hand knetete sie ihre Brust und mit der anderen spielte sie an ihren Schamlippen. Sie wollte sein höchstes Maß an Erregung, wenn sie ihn befreite.

Ruths Wirt glitt mit der Zunge über die Lippen und beugte den Oberkörper tief hinunter. Sie packte eine Fessel mit den Zähnen und öffnete sie.

Die freie Pranke schmetterte sie nieder.

Schnell löste sich der Bär aus seiner Gefangenschaft. Er setzte sich auf sie und schlug sie tot.

Schwarz.

 

Ruth fiel in einen unendlichen Tunnel, der nicht unendlich war. Hart schlug sie auf und die Lichter der Kapsel blendeten.

Es zischte. Die Klappe öffnete sich. Verachtungsvoll stand Bob vor ihr. »Abführen.«

Die Wärter wollten sie herausholen, doch Ruth wehrte sich. »Nein! Schickt mich rein! Ich kann das! Ich dann das!«

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Lebe deine Leidenschaft,

 

Dein Viktor

 

Kommentare: 1
  • #1

    Sippi (Samstag, 18 April 2020 20:46)

    Hui, das ist ein abruptes Ende des spannenden Kapitels. Schade dass Ruth die Kontrolle über ihren Wirt nicht erlangen konnte und nur "im Zuschauermodus" war. Bin mal gespannt, ob sie mehr Handlungsmöglichkeiten bei den nächsten Missionen bekommt, sie scheint ja Bock zu haben. Hilfreich fand ich, dass sie so akribisch über die Informationen der Mission nachdenkt, dadurch bekomme ich ja praktischerweise auch Infos über die Mission. Bin mal gespannt, ob ich auch den Asiaten und die andere Frau kennen lernen kann oder ob es bei Ruth und Noah bleibt.